Entmietungsbedrohter als Sicherheitsrisiko? | Prenzlberger Stimme

Entmietungsbedrohter als Sicherheitsrisiko?

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Die Einladung war öffentlich und an alle gerichtet: “Sie sind herzlich eingeladen zum Fachforum”, stand auf der Webseite des “8. Wohnungsbautages 2016” zu lesen. Über Wohnungsbau und Mieten sollte da debattiert werden, mit hochkarätiger Besetzung: Bundesbauministerin Barbara Hendricks, Kanzleramtschef Peter Altmaier der bayrische Bau- und Innenminister Joachim Herrmann und einige andere mehr waren eingeladen.

Das könnte interessant werden, dachte sich der Prenzlauer Berger Sven Fischer und nahm die Einladung persönlich.
Er klickte auf den “Anmelden”-Button, nahm das das folgende freundliche “Wir laden Sie ein. – Und Sie kommen … ” zur Kenntnis und sandte, wie erbeten, seine Zusage zur Teilnahme an der Veranstaltung angegebene Mailadresse. Die Reaktion erfolgte prompt: “Ihr Platz ist reserviert”, und: “Ihre Anmeldung ist verbindlich registriert.” Das war einen Monat vor der Veranstaltung.

Als der so freundlich und unkompliziert Eingeladene zum Veranstaltungstermin am Eingang der Hamburgischen Landesvertretung in der Jägerstraße erschien, musste er feststellen, dass er dort eine bereits gewisse Prominenz besaß: Man wusste sofort wer er war.

 

Eingeladen, doch nicht eingelassen

Das ist erst einmal nicht verwunderlich, denn Sven Fischer ist in den Medien ziemlich präsent. Der Grund: Der Eigentümer des Hauses, in dem er wohnt, möchte ihn gern gleich den anderen Mietern hinaussanieren.
Die Mittel sind die altbekannten: Abstellen von Strom und Wasser, unbegründete Räumungsklagen, zuweilen war auch schon mal – selbstverständlich ohne Absicht – ein Schornsteinabzug blockiert, so dass die Abgase unbemerkt durch die Wohnung zogen. Fischer wehrt sich dagegen – auch öffentlich.

Es war also durchaus zu erwarten, dass sein Name beim Veranstalter ein Begriff war – die Reaktion allerdings war für ihn überraschend. Sven Fischer erinnert sich:

“Bei der Nennung meines Namens am Einlass wussten sofort drei Herrschaften des Veranstalters, dass Herr Fischer aus der Kopenhagener Straße 46 definitiv nicht eingeladen sei.
Von einem Missverständnis ausgehend zeigte ich freundlich meine per E-Mail bestätigte verbindliche Anmeldung vor, wurde daraufhin jedoch von einem vierten Herrn, der sich sofort auf sein Hausrecht berief, energisch zum Verlassen des Hauses aufgefordert.”

 

“Geschlossene Veranstaltung”

Veranstaltet wurde der Wohnungsbautag vom “Verbändebündnis Wohnungsbau”, in dem unter anderem der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., die Gewerkschaft IG Bau, der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure und der Deutschen Mieterbund vertreten sind.

Für die Organisation zeichnet die Agentur “WPD relations” verantwortlich, die auch die Einladungen verschickte.

Auf telefonische Anfrage der Prenzlberger Stimme nach den Gründen der Ein- und Ausladung, verwies ein WPD-Mann auf “Sicherheitsanforderungen”. Bundes- und Landeskriminalamt hätten gewisse Standards gefordert, weil auf der Veranstaltung ja auch ranghohe Bundespolitiker anwesend waren.

Sven Fischer – ein Risikofaktor für Politiker? Haben gar LKA oder BKA gegen die Einladung von Fischer ihr Veto eingelegt?

Nein, nicht doch, wehrt der namenlos bleibende WPD-Mann ab, das habe überhaupt nichts mit Herrn Fischer zu tun. Es sei von den Kriminalämtern aber die Erstellung einer Liste der Eingeladenen gefordert worden und auch Namensschilder seien angeordnet gewesen. Dass man Fischer nicht auf die Liste setzte und ihm auch kein Namensschild gebastelt, habe einzig mit dem Umstand zu tun, dass die Veranstaltung bereits ausgebucht und deshalb kein Platz mehr vorhanden gewesen sei. Daher habe Herr Fischer auch keine zweite Einladungen erhalten: Ausgebucht.

Aber, so fragte die nun leicht irritierte Prenzlberger Stimme nach, wenn er doch schon eine Einladung erhalten hatte, “verbindlich”, wie es hieß und mit dem Zusatz „Ihr Platz ist reserviert“ versehen, wozu benötigte er dann noch eine weitere Einladung? Und wie können reservierte Plätze vergeben sein?

Das Gespräch begann, sich im Kreis zu drehen. Immer wieder “Sicherheitsanforderungen” und “LKA” und “BKA”. Und: “Aber das hat jetzt nichts mit Herrn Fischer persönlich zu tun.”

Irgendwann merkte auch der Herr von der WPD relation, dass er in einem rhetorischen Karussell saß und teilte plötzlich mit: “Außerdem war das eine geschlossene Veranstaltung”.

 

“Ein Platz wäre frei gewesen”

Eine geschlossene Veranstaltung mit öffentlicher Einladung an alle Interessierten?

Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, hält diese Aussage für unsinnig. Das einzig “geschlossene” am Wohnungsbautag sei der Umstand gewesen, dass man sich vorher anzumelden hatte. Außerdem weiß jeder, der eine solche Veranstaltung organisiert, dass zwanzig bis dreißig Prozent der Angemeldeten nicht erscheinen. Wild, der selbst auf dem Forum anwesend war, kann das Aussperren von Sven Fischer nicht nachvollziehen: “Die Veranstaltung war zwar gut besucht, aber ein Platz wäre da immer noch freigewesen.”

https://kopenhagener.wordpress.com/
So bleibt die Frage, warum Sven Fischer der Eintritt verwehrt wurde offen: War es tatsächlich nur die Unfähigkeit der Ausrichter, die Einladungen zu koordinieren – oder hatte die Abwehr des Entmietungsbetroffenen andere Gründe?

 

Infos zur Kopenhagener Straße 46 hier==>

 

 

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2 Kommentare zu “Entmietungsbedrohter als Sicherheitsrisiko?”

  1. irgendwie beschleicht mich manchmal das Gefühl wieder in der DDR angekommen zu sein, nicht nur in diesem Fall …

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  2. die hochkarätige Besetzung muß daran erinnert werden, der Leitspruch unserer Verfassung; DIE WÜRDE DES MENSCHE MUß UNANTASTBAR SEIN Dazu gehört auch Arbeit- Wohnen- Bildung Es geht aber ausschließlich um Maximierung von Profiten. Die Verschleierung und die 1000 Begründungen warum etwas nicht geht. Das braucht unser Volk nicht. Diese Herrschaften haben den Wahlauftrag vom Volk, für das Volk die richtigen Bedingungen zu schaffen. Welche Anmaßung könnte man denken

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