Thriller, Dokus, Diskussionen – Das Uranium Film Festival | Prenzlberger Stimme

Thriller, Dokus, Diskussionen – Das Uranium Film Festival

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Januar 1968 – Ein amerikanischer B52-Bomber mit scharfen nuklearen Gefechtsköpfen stürzt in der Nähe eines US-Luftwaffenstützpunktes über Thule in Grönland in das Eis des dänischen Hoheitsgebietes. Kurz darauf stufen die verantwortlichen Regierungen den Absturz als Broken Arrow Szenario (Atomunfall) ein und beteuern, die Situation unter Kontrolle zu haben. Hunderte Arbeiter aus Thule helfen vor Ort bei den schwierigen Aufräumarbeiten. Nach acht Monaten sind alle Spuren des abgestürzten Flugzeugs und des mit Plutonium kontaminierten Gletschereises beseitigt. Der Fall gilt als abgeschlossen.

thule18 Jahre später stößt Journalist Poul Brink bei einer Recherche jedoch auf Ungereimtheiten. Wie es scheint, liegt eine unerwünschte Wahrheit über den Absturz des Atombombers tief unter der Eiskappe Grönlands und in den Archiven der US-Regierung begraben. Der ehrgeizige Reporter startet eine kompromisslose Untersuchung. Je intensiver er forscht, desto mehr enthüllt er einen internationalen Vertuschungsskandal. Schnell werden die Verantwortlichen des Unfalls nervös und versuchen Brinks Nachforschungen mit allen Mitteln zu unterbinden.
 
Der im November vergangenen Jahres uraufgeführte, auf tatsächliche Begebenheiten beruhende dänische Politthriller “The Idealist – Geheimakte Grönland” von Regisseurin Christina Rosendahl ist der Auftaktfilm zum diesjährigen “International Uranium Festival Berlin”, das im Kino in der Kulturbrauerei stattfindet. Während des heute beginnenden Festival werden 22 Spiel- und Dokumentarfilme aus acht Ländern zum Thema Atomwaffen und Atomkraft gezeigt.

 

Schweizer Kernkraft und französisch-algerische Realpolitik

So wird am Donneratag, dem 29. September, der Dokumentarstreifen „Operation Gebrochener Pfeil“ des spanischen Regisseurs Jose Herrera Plaza über die Folgen des Absturzes eines mit vier Wasserstoffbomben beladenen B-52-Bombers in Südspanien bei Palomares in der Region Almeria aufgeführt.
Am Freitag, dem 30. September steht ein Animationsfilm über das erste und eiunzige Kernktaftwerk «Made in Switzerland» auf dem Programm.

uranium7Eine Lektion über „Realpolitik“ kann man im Film des Algeriers L’Algerie, De Gaulle et La Bombe lernen.
Am 13. Februar 1960, ca. 40 Kilometer entfernt von der Stadt Reggane zündete Frankreich seine erste Atombombe über der Sahara Algeriens. Codename: Blue Jerboa. Wie schaffte es General de Gaulle mitten im algerischen Unabhängigkeitskrieg  sein Atomprogramm in Algerien fortzusetzen? In geheimen Verhandlungen mit  der Front de Libération Nationale (FLN) erkannte Frankreich 1962 die algerische Unabhängigkeit an, während im Gegenzug die FLN akzeptierte, dass General de Gaulle seine Atomtests weiter in der Sahara durch-führte und dort insgesamt 17 Atombomben zündete.

Am 1. Oktober kann man etwas über „Atommüll in meinem Garten“ erfahren, und „Was von Kriegen übrig bleibt“ zeigt der Film von Karin Leukefeld und Markus Matzel: Kaum ein anderes Land dieser Welt wurde in den letzten 35 Jahren so von Kriegen überzogen wie der Irak. Die dort eingesetzten Uran-Waffen zerstören bis heute das Leben der Menschen, vor allem von Neugeborenen. Noch viele Jahrzehnte werden die Menschen im Irak und der Region des Mittleren Ostens massiv unter den Kriegsfolgen zu leiden haben.
Im Anschluss an die Vorführung kann mit den Filmemachern diskutiert werden.

 

Aus Rio in die Welt

Seinen Ursprung hat das Uranium Film Festival in Rio de Janeiro. Organisiert wird es von Norbert Suchanek und Marcia Gomes de Oliveira.
Ein erster Auslöser dafür war die Ankündigung des damaligen Brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio „Lula“ da Silva im Jahr 2007, das mit dem Ende der Militärdiktatur eingemottete brasilianische Atomprogramm wiederzubeleben. Gomes de Oliveira und Suchanek drehten 2008 gemeinsam den Kurzfilm „The Speech of the Chief“ über das Leben des Mbyá-Stammes in Brasilien, auf deren Land die bisher einzigen Kernkraftmeiler Angra 1 und 2 errichtet wurden.

Norbert Suchanek

Norbert Suchanek

Als 2010 mit dem Bau von Angra 3 begonnen wurde und Präsident Lula ankündigte, 40 oder 50 KKWs in Brasilien bauen zu lassen, machten sich Marcia Gomes de Oliveira und Norbert Suchanek daran, eine Filmschau in Rio auf die Beine zustellen, dass das Thema Kernkraft in vielen Facetten beleuchten sollte.
Kurz vor dem Start vor des ersten Festivals im Jahr 2011 ereignete sich dann die Nuklearkatastrophe in Fukushima – das Thema hatte plötzlich einen ungeahnte aktuellen Bezug erhalten.

In Deutschland ist „Uranium Fil Festival“ das dtitte Mal zu Gast. Organisiert wird es von Jutta Wunderlich.
Die Regieassistentin und Disponentin hatte 2014 das Festival in Rio erlebt und wollte es nach Berlin holen. Noch im selben Jahr gab es die erste Auflage im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz. Im Vergangenen Jahr war die Brotfabrik der Festspielort, diesmal findest es im Kino der Kulturbrauerei statt.

Das vollständige Programm des Festivals ist hier zu finden==>

 

INTERNATIONAL URANIUM FILM FESTIVAL BERLIN 2016

Festivalort
Kino in der Kulurbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin – Prenzlauer Berg

Anfahrt
S-Bahn bis Schönhauser Allee (S41, S41, S8, S85)
U-Bahn bis Eberswalder Straße (U2)
Tram bis U-Bahnhof Eberswalder Straße (M1, M10, 12)

Eintrittspreise:
Einzelticket 7,00 Euro
Ermäßigt für Schüler/Studenten/Behinderte 5,00 Euro

Festivalpass:
1 Tag 10,00 Euro
2 Tage 20,00 Euro
3 Tage 30,00 Euro
Alle Filmvorführungen: 35,00 Euro

Kartenreservierung
Tel. 0172-8927879
uraniumfilmfestivalberlin@gmx.de


 

 

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