Erstmal Schluss mit Fahrradgegenverkehr in der Anton-Saefkow-Straße | Prenzlberger Stimme

Erstmal Schluss mit Fahrradgegenverkehr in der Anton-Saefkow-Straße


 

Das gab richtig Ärger!

Im Sommer wurde in der schmalen, sehr schmalen Anton-Saefkow-Straße plötzlich die Parkordnung verändert – längs statt quer – und keiner hatte es gemerkt. Folgerichtig fanden Anwohner bald die ersten Knöllchen an ihren Windschutzscheiben und waren empört.
Zerknirscht gab der damalige Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner zu, dass da irgend etwas in der Nachrichtenübermittlungskette geklemmt haben musste – nur was, wusste er nicht zu sagen.
Aber immerhin klärte er auf, warum die Autos nun der Länge nach stehen sollten: Dem Fahrradverkehr war erlaubt worden, die als Einbahnstraße ausgewiesenen Anton-Saefkow-Straße auch in Gegenrichtung zu benutzen – und dafür wurde noch etwas Platz gebraucht.
Um es allen – Auto- wie Radfahrern – recht zu machen, schlug die SPD-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor, dass wieder quer geparkt werden darf – aber nur mit der Motorhaube zur Fahrbahn. Damit die Fahrer beim Ausparken nicht die Radler übersehen.
 

Anwohner fürchteten Kollisionen und pochten auf ihre Parkplätze

Auf der Sitzung des BVV-Ausschusses für öffentliche Ordnung und Verkehr wurde dann von der Pankower Verkehrsbehörde erst einmal klargestellt, dass es die Straßenverkehrsordnung schlicht nicht hergibt, vorzuschreiben, ob ein Auto nun so rum oder so rum eingeparkt wird.

Bei der Sitzung anwesende Anwohner der Anton-Saefkow-Straße baten darum, den alten Zustand – Einbahnstraße ohne Fahrradgegenverkehr und erlaubtes Querparken – wieder herzustellen.
Sie begründeten es unter anderem damit, dass die Straße auch bei längs abgestellten Fahrzeugen viel zu schmal für einen Gegenverkehr sei. Erst recht, wenn größere Ver- oder Entsorgungsfahrzeuge – wie zum Beispiel die Müllabfuhr – sich durch das Sträßchen quälten.
Auch werde die Anton-Saefkow-Straße nicht so arg von Radfahrern frequentiert, dass man von einer Notwendigkeit des Fahrradverkehrs in Gegenrichtung der Einbahnstraße sprechen könne. Dennoch habe es schon des öfteren Ärger und Frust gegeben. Außerdem benötige man die durch das Längsparken benötigten Stellplätze: Wir können ja die Autos nicht mit in die Wohnung nehmen.

Ein anderer Anwohner machte den Vorschlag, den Fahrradverkehr zwischen Kniprodestraße und Greifswalder Straße doch durch die parallel laufende John-Schehr-Straße zu leiten.

Die Diskussion Der Ausschussmitglieder war lang anhaltend. Während der Bezirksverordnete Andreas Retschlag (CDU) vorschlug, den alten Zustand wiederherzustellen.
SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Schröder war der Ansicht, dass man prüfen sollte, ob durch bauliche Veränderungen Platz für die gegenläufigen Radfahrer geschaffen werden könnte und regte an, eine Bürgerversammlung einzuberufen, auf der die Anwohner ihre Vorschläge unterbreiten könnten.

Weil auch nicht ganz klar wurde, ob sich tatsächlich so viele Radfahrer durch die Anton-Saefkow-Straße bewegen, wurde eine Verkehrszählung in den Raum gestellt.
Bezirksbürgermeister Sören Benn, der den zu dem Zeitpunkt noch vakanten Stadtratsposten für Stadtentwicklung und Bürgerservice, innehatte, gab zu bedenken, dass man eine seriöse Zählung erst im Frühjahr veranstalten könnte.
Irgendwann drehte man sich im Kreis und die Sache wurde vertagt.
 

Erst mal alles wie zuvor – dann Ausbau der Straße

Am Donnerstag vergangener Woche wurde die Angelegenheit dann überraschend kurz und schmerzlos entschieden. Und zwar: Zurück auf Anfang.

In einem vom Verkehrsausschuss angenommenen Beschlussantrag heißt es dazu:

1. Die Freigabe zum Befahren der Anton-Saefkow-Straße entgegen der Richtung der Einbahnstraße für Fahrräder wird aufgehoben. Der ruhende Verkehr von PKW wird in Form von Schrägparkplätzen mit Richtung Kniprodestraße angeordnet.

2. In den Maßnahmekatalog im Rahmen des Programmes Stadtumbau Ost (ISEK Prenzlauer Berg) wird die Anlage eines Radweges auf der Nordseite der Anton-Saefkow-Straße von der Kniprodestraße bis zur Greifswalder Straße aufgenommen. SeinePlanungen werden zunächst dem Ausschuss für Verkehr und Öffentliche Ordnung vorgestellt und, nach Zustimmung, möglichst im Rahmen der Aufwertung des Anton-Saefkow-Parkes umgesetzt.

Dem Antrag muss zwar noch die Bezirksverordnetenversammlung zustimmen, aber das dürfte eine reine Formsache sein.

Da die Umgestaltung des Parkes frühestens im Herbst 2017 beginnen soll, wird die Anton-Saefkowstraße wohl noch bis Ende nächsten Jahres wieder von allen Verkehrsteilnehmern nur in einer Richtung befahren werden dürfen.

 

 

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4 Kommentare zu “Erstmal Schluss mit Fahrradgegenverkehr in der Anton-Saefkow-Straße”

  1. Susanne J

    Feb 21. 2017

    Von Juli – der Freigabe der Einbahnstraße für den gegenläufigen Radverkehr – bis November – die geänderte Parkordnung wird kommuniziert und durchgesetzt – hat das alles recht gut funktioniert, erst durch den Wegfall der Parkplätze ist die Stimmung hochgekocht und wurden Aggressionen berichtet. Es gibt zig andere Straßen, in denen sich entgegenkommende Fahrzeuge ggf ausweichen, oder warten, oder sogar mal zurücksetzen müssen, auch da wird quer, längs- oder schräggeparkt ohne dass das besondere Gefährdungen für den Radverkehr bedeuten würde.
    Legalisierung des Radverkehrs in Richtung Westen und gleichzeitig Erhalt der Parkplätze ist möglich.

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  2. Die STVO gilt für alle!
    Eine Einbahnstraße ist eine Einbahnstrasse. Ansonsten kann ja jeder machen , was er will. ?

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    • Thomas

      Feb 25. 2017

      Hans, die StVO gibt aber auch her, eine Einbahnstraße mit entgegenkommendem Radverkehr zu erlauben. Die Entscheidung wurde halt zu Lasten der parkenden Anwohner getroffen. Ich kann die Aufregung verstehen. 100m weiter ist die breite John-Scher-Str. die für die Radfahrer geeigneter ist. Da muss man nicht in der Anton-Saefkow den Verkehr freigeben.

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  3. Genauso , wie es auf der Landsberger einen funktionierenden Rafael gibt .
    Alles andere ist Geld ausgeben auf sehr hohem Niveau.
    Siehe die Straßenbahngleise in der Leipziger.
    Aber diese Leute müssen das Geld auch nicht erarbeiten.

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