Parkraumbewirtschaftung: Verschobene Erweiterung, organisierte Säulenknacker und verschwundene Daten | Prenzlberger Stimme

Parkraumbewirtschaftung: Verschobene Erweiterung, organisierte Säulenknacker und verschwundene Daten


 

Die Einführung der Parkraumbewirtschaftung im Bereich Wohnstadt Carl Legien/Ostseestraße zieht sich weiter hin.
Zwar wurden die im Januar seitens des Bezirksamtes geäußerten Befürchtungen, die Erweiterung mache die gesamte Bewirtschaftung zum Verlustprojekt, ausgeräumt – doch nun droht neue Unbill: Das Carl-Legien-Viertel ist tagsüber nicht nur zugeparkt bis obenhin und hat kleine, für Parkscheinautomatensäulen eigentlich viel zu kleine Bürgersteige – es steht auch unter Denkmalschutz.

Wird noch eine Weile so bleiben:
Parkplatzstau im Legien-Viertel

Und nicht nur das.

Es es ist auch in der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes verzeichnet und somit „Denkmalschutz hoch Zehn“, wie Bezirksstadträtin Rona Tietje es ausdrückte, die das Ressort Öffentliche Ordnung kommissarisch mitverwaltet, weil die AfD, die es eigentlich führen sollte, bis heute keinen halbwegs ministrablen Stadtratskandidaten aufbieten konnte.
Also wird nun erst einmal durch die Denkmalschutzbehörde ein Gutachten in Auftrag gegeben, um abschätzen zu können, wie die Parksäulen so aufgestellt werden können, dass sie den Charakter der Siedlung nicht beeinträchtigen. Und natürlich auch keine unüberwindbaren Barrieren für die Fußgänger darstellen.

Erst wenn das geklärt ist, kann es eine Ausschreibung für die Säulen und den Service für die Parkscheinautomaten geben. Was wohl heißt, dass es in diesem Jahr wohl kaum noch zur Erweiterung des gebührenpflichtigen Parkens in Prenzlauer Berg kommen wird.
 

Aufgebrochene Säulen, abhanden gekommene Knöllchen und fehlendes Personal

Irgendwie ist im Bereich Parkraumbewirtschaftung momentan eh der Wurm drin.

Da sind zum einen regelrechte Überfälle auf Parksäulen. Vierzehn Automaten wurden seit Jahresbeginn aufgebrochen – immer auf dieselbe Art und Weise. Bezirksstadträtin Tietje vermutet daher ein „organisiertes Vorgehen der Täter“. Der Sachschaden beträgt mehr als 2.000 Euro pro Bruch – eine Menge Holz.

Bereits zum Jahresbeginn erreichte das Bezirksamt eine andere Hiobsbotschaft: Das Unternehmen, dass die Technik für die Knöllchenabrechnung betreut, hatte eine Art Blackout im System. Rund 8.000 kostenpflichtige Verwarnungen – davon über 1.000 in Pankow – sind irgendwo ins Datennirwana entschwunden. Geschätzter Schaden: Rund 18.000 Euro.

Einbußen – wenn auch angekündigte – gibt es für das Pankower Gemeindesäckel auch noch aus einem anderen Grund: Seit dem 1. Januar bleiben nur noch 50 Prozent der Bußgelder beim Bezirk – die andere Hälfte geht in den Landeshaushalt.

Da heißt es also für die Mitarbeiter des Außendienstes, sich besonders zu sputen. Das tun sie auch. Zumindest jene, die noch anwesend sind. Doch von 150 Planstellen sind nur noch 132 real besetzt. Der fehlende Rest hat gekündigt, ist dauerhaft außendienstunfähig oder anderweitig verhindert. Dazu kommt ein recht hoher Krankenstand, Urlaub und anderes
 
Das sah alles schon mal irgendwie besser aus.
 

 

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4 Kommentare zu “Parkraumbewirtschaftung: Verschobene Erweiterung, organisierte Säulenknacker und verschwundene Daten”

  1. Sonja Blume

    Feb 23. 2017

    Das die Mitarbeiter der Parkraumüberwachung erst aus den Medien erfahren,daß die Carl-Legien Siedlung Weltkulturerbe ist, und sich deshalb die Einführung der Parkraumüberwachung verschiebt, ist schon ein starkes Stück. Hier stellt man sich die Frage, ob die Mitarbeiter, wie auch in anderen Fällen bewusst in Unwissenheit gehalten werden.
    Um zu verstehen, daß nicht mehr alle Planstellen besetzt sind, muß man hinter die Kulissen schauen. Dieses hat vielfältige Gründe, mangelnde Führungsqualitäten, ständig wechselnde Arbeitszeiten, nicht nachvollziehbare Dienstanweisungen, Bevorzugung einzelner sowie Drangsalierung unbequemer Kollegen. Auch ist die Anzahl von 132 Außendienstmitarbeitern nicht mehr aktuell, da die Massenflucht der Kollegen weiter anhält.
    Vielleicht sollte man mal über einen Führungswechsel nachdenken.

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  2. Oskar W.

    Feb 25. 2017

    Schön, dass die Mitarbeiter im Aussendienst sich sputen sollen… dümmer geht nimmer. Sie sollten sich mal durchlesen, wieso und zu welchem zweck die Parkraumbewirtschaftung eingeführt wurde. Nicht um den Haushalt zu sanieren oder Gelder zweck zu entfremden. Auch in den Arbeitsverträgen steht dazu nichts. Schön auch, sich über mangelnde Einnahmen zu beklagen. Da fragt man sich…wieso parken die Herrschaften der BVV und anderer Fraktionen dann bei Veranstaltungen kostenlos auf dem Gelände der Fröbelstr. anstatt in den Bezirk zu investieren und draußen ein ParkTicket zu kaufen.
    Über das Thema Krankheit im Aussendienst wurde schon sehr oft debattiert. …unglaublich, dass die weiterhin im Amt stehende Führungsebene nach unzähligen Verfehlungen noch immer im selbigen ist. Die kleinen hängt man und die großen lässt man laufen…war schon immer so.
    Die Hoffnung der Mitarbeiter-innen liegt jetzt beim neuen Bürgermeister und der kommissarisch eingesetzten Stadträtin… sollten die AZ wieder gekippt werden ist Chaos vorprogrammiert. ..momentan sind entgegen Ihrer Behauptung mehr Kollegen-innen im Dienst als zuvor.

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  3. Bernd

    Feb 25. 2017

    Top Kommentar. Scheint nur niemanden in der BVV einschließlich höhere Etagen zu interessieren. Da werden die Mitarbeiter ausgebildet, teuer bezahtl ( die Ausbildung ) und dann ?

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  4. Erna Schmidt

    Feb 25. 2017

    Führungsqualität der Führung… es gibt da keine QUALITÄT. Schon seit Jahren wird dies bemängelt und es hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil, man schaltet und waltet wie es einem beliebt, nur nicht im Interesse der Beschäftigten. Gibt es dann endlich mal ein Familen und Freizeitfreundlichen Dienstplan, für den sich ca. 90% der Belegschaft ausgesprochen hatte, soll dieser wieder eingestellt werden. Warum…man will die absolute Kontrolle über uns und die Kollegen sollen gefälligst Zahlen bringen… unsere Gesundheit interessiert nicht. Man bedenke, dass Amt schreibt sich Familienfreundlichkeit ganz groß auf die Fahnen. Wie Sonja schon sagte, jeder versucht hier nur noch wegzukommen auf Teufel komm raus egal wohin, nur weg …
    Da wurden Leute in Führungspositionen gehieft, die nicht einmal den Formellen Anforderungen entsprechen..und deshalb krankt es nicht nur im öffentliche Dienst … Vitamin B hat noch nie Leitungsqualität erzeugt. Bei uns wird nicht geleitet sondern geherrscht von der selbst ernannten Knöllchen Königin.
    Hoffentlich ändert sich da bald mal was, ansonsten ……jute Nacht

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