MUF! – Das Ende und der Anfang der Welt | Prenzlberger Stimme

MUF! – Das Ende und der Anfang der Welt

 

Es gibt im Leben so Schleudertraumagefahrensituationen – einfach nur deshalb, weil der innere Zwang zum heftigen Kopfschütteln nicht mehr zu beherrschen ist.
Das ist unter anderem fast immer dann der Fall, wenn Politik und Verwaltung sich als Wort- und Sprachschöpfer betätigen.

Als der Regierende Bürgermeister Michael Müller im Sommer vergangenen Jahres bei einer groß angekündigten „Bürgerdiskussion“ in Pankow (Anwesend: Zwölf von knapp 400.000 Pankower Einwohnern) verriet, dass das Pseudowort „Tempohome“ eine Erfindung seiner Verwaltung ist, weil das Wort „Container“ so negativ klänge.
Dass dieses vermeintliche englische Wort, das der Autor dieser Zeilen in keinem englischen Wörterbuch finden konnte, eigentlich „schnelles Zuhause“ im Sinne von Geschwindigkeit bedeuten müsste… – naja.

Oder: Als wäre der verwaltungsoffizielle Begriff „Modulare Unterkunft für Flüchtlinge“ nicht schon Ungetüm genug, gibts dafür dann noch extra eine verschandelnde Abkürzung: MuF.

Das zweite „F“ schreibt man da zwar nicht, aber gesprochen wird aber es schon – und schon verwandelt sich ein solches Gebäude im Kopf des Rezipienten zu einer muffigen Angelegenheit.

Wenn nicht sogar zu einer müffelnden.

Am Donnerstag gab es nun das Richtfest für die Modularunterkunft in der Bucher Wollfgang-Heinz-Straße. Die Besucher konnten bei einem Rundgang durch eines der Module feststellen, dass die „MUFs“ sind viel besser, als sie sich anhören.

Äußerlich ein „normaler“ Neubau, bestehen seine Besonderheiten erstens in darin, dass dass das Gedäude – wie der Name schon sagt – aus unterschiedlich zusammenfügbaren Modulen gebaut wurde.
Eine tragende Betonaußenwand lässt im Innern des Hause auch nach der Fertigstellung fast alle erdenklichen Grundrissänderungen zu, so dass ein solches Haus auch neuen Nutzungen – etwa als Studentenheimen oder aber auch ganz normalen Wohnungen unterschiedlicher Größen – umgebaut werden kann.
 

Durch variable Grundrisse für andere Nutzung geeignet

Ein Haus-Modul verfügt über eine Fläche von 19 mal 19 Metern. Die zukünftigen Bucher Gemeinschaftsunterkunft besteht aus zwei Blöcken von einmal vier und einmal zwei Hausmodulen, die aneinandergefügt wie ein normaler Häuserblock erscheinen.

Jedes Modul hat seinen seperaten Eingang Auf jeder Moduletage werden 15 Personen wohnen, für sie gibt es jeweils eine Gemeinschaftsküche sowie Waschräume.

Als drittes Bauteil steht auf dem Areal ein zweistöckiges Funktionsgebäude – auch ein Modul, in dem unter anderem die Heizungsanlage und die Verwaltung untergebracht werden. Rund 450 Menschen werden hier nach der Fertigstellung Quartier nehmen können.
Ganz in der Nähe, am Lindenberger Weg, ist ein weiterer Modulkomplex geplant, der Ende dieses Jahres einzugsfertig sein soll.

Ach ja, die Verwaltungslyrik.

Es gehört zu jedem Richtfest mit dazu, dass allerlei Leute allerlei bedeutsame Dinge sagen. Unter anderem nahm auch die Präsidentin des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten Claudia Langeheine das Wort. Sie nahm die häufig geäußerte Kritik auf, dass Unterkünfte wie jene in Buch am oft am „am Ende der Welt“, also am Rande der Stadt hingestellt werden.
In diesem Fall, so Claudia Langeheine, wäre es „nicht das Ende der Welt, sondern der Anfang der Welt“, von dem die Flüchtlinge in ein neues Leben treten.

So kann man sich zweifelhafte Standortentscheidungen natürlich auch schönreden

 

 

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Kommentar zu “MUF! – Das Ende und der Anfang der Welt”

  1. Vielleicht wird es ja auch mal Obdachlosen zum Asyl – die würden hier wieder mal nicht erwähnt ?

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