Neuer Mietspiegel: Hoch! Hoch! Hoch! | Prenzlberger Stimme

Neuer Mietspiegel: Hoch! Hoch! Hoch!

 

In den vergangenen zwei Jahren sind die die Wohnungsmieten auf dem sogenannten freien Markt durchschnittlich um 7,7 Prozent gestiegen. Das geht aus dem heute von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) vorgestellten Mietspiegel hervor. Das ist fast das Dreifache der vergangenen Periode: In den Jahren 2013 bis 2015 stiegen die Nettokaltmieten lediglich um 2,7 Prozent.

 

Ob alt, ob neu…

Einen nicht geringen Anteil an dem Preissprung haben die in den vergangenen Jahren hochgezogenen Neubauten, die quasi alle jenseits der Zehn-Euro-Marke liegen. Spitzenreiter sind kleine Neubauwohnungen mit bis zu 40 Quadratmetern, die mit einem Mittelwert von 14,19 Euro je Quadratmeter aufgelistet sind.

Kräftig in die Höhe gegangen sind die Mietpreise auch für sogenannte Gründerzeitwohnungen, deren Bau bis 1918 fertiggestellt war. In der “einfachen Wohnlage” ist ein Mittelwert von 6,42 Euro je Quadratmeter angegeben, im Jahr 2015 waren es noch 5,86 Euro – eine Steigerung von 9,3 Prozent.

Auch in “mittlerer Wohnlage” wurde kräftig hingelangt: Bei großen Altbauwohnungen von über 90 Quadratmetern ist der Mittelwert in den vergangenen zwei Jahren um über 16 Prozent nach oben geschnellt.

 

Günsige Altmietverträge fallen aus der Statistik

Der diesjährige Mietspiegel wird dafür sorgen, dass für viele Mieterinnen und Mietern wohl noch in diesem Jahr kräftige Mieterhöhungen ins Haus stehen. denn der Mietspiegel gibt Auskunft über die sogenannte ortsübliche Miete von Wohnungen je nach Baualter, Größe, Wohnlage und Ausstattung.

Vermietern dient der Mietspiegel dazu, Mieterhöhungen zu begründen. Als nicht zu beanstanden gelten Mieterhöhungen, die den im Mietspiegel verzeichneten Höchstwert des jeweiligen Wohnungstyps in einer bestimmten Lage nicht überschreiten.

Berechnet wird der Mietspiegel aber nicht als Durchschnitt aller existierenden Mietverhältnisse. Eingang in die Statistik finden nur Mietverträge, bei denen innerhalb der vergangenen vier Jahre eine Mieterhöhung stattgefunden hat. Wohnungen, die über längere Zeit eine konstante (niedrige) Miete aufweisen, und den Mietspiegel senken können, werden bei der Erhebung nicht berücksichtigt.

 

Briefträger werden Überstunden schieben

Ein weiteres Geschenk an die Vermieter ist die Hochstufung der Wohnlagen. Wird zum Beispiel ein Haus von “einfacher” zu “mittlerer Wohnlage” hochgestuft, ist der Spielraum der möglichen Mieterhöhungen noch einmal um einiges größer.
Für den Mietspiegel 2017 wurden 1.150 Änderungsanträge für 6.400 Einzeladressen betreffs der Änderung der Wohnlagen gestellt. Auch Prenzlauer Berg ist von einer solchen Adelung betroffen. Obwohl sich in den vergangenen zwei Jahren im Humankiez praktisch nichts verändert hat, befinden sich plötzlich zahlreiche Wohnblöcke in mittlerer Lage wieder.

Die Briefträger dürften in den kommenden Monaten Sonderschichten fahren, um all die zu erwartenden Mieterhöhungsankündigungen in die Briefkästen zu bekommen.

 

Den Mietspiegel zum Download findet man hier

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail


4 Kommentare zu “Neuer Mietspiegel: Hoch! Hoch! Hoch!”

  1. Christoph K.

    Mai 20. 2017

    Liebe Autoren der Prenzlberger Stimme,

    ich wohne in einen Haus gebaut vor 1918, meine Wohnung ist ohne Sammelheizung und ohne Bad. Konkret: mit Dusche in der Küche und Ofenheizung bei unter 40m².

    Wieso sind nun solche Wohnungen laut Mietspiegel teurer (+0,47€) als Wohnungen im gleichen Haus die z.B. ein Bad haben, aber auch eine Ofenheizung oder Gasetagenheizung (mit Bad oder mit Sammelheizung)?

    Das es etwas teurer wird stört mich nicht, aber mir erscheint das ungerecht, dass sehr altmodische Wohnung teurer sein sollen als moderne Wohnungen.

    Könnt ihr das vielleicht herausfinden? 🙂

    Grüße Christoph

    Reply to this comment
    • von ODK

      Mai 20. 2017

      Lieber Christoph K.,
      der Mietspiegel ist je keine Vorschrift sondern bildet die Mietpreisentwicklung ab.
      Bekanntlich wird bei jeder Neuvermietung kräftig an der Preisschraube gedreht. Bei einer Neuvermietung muss der Folgemieter eigentlich immer mehr zahlen. als der vorherige. Die sogenannte Mietpreisbremse sollte das etwas dämpfen, was aber nicht wirklich funktioniert.

      Bei kleinen, günstigen Wohnungen ist die Fluktuation der Mieter größer, als bei großen Wohnungen. Da ziehen also die Leute (oft Singles, die mit dem Partner in eine größere Wohnung zusammenziehen, Studenten, die zuende studiert haben etc.) schneller wieder aus. Und je öfter Mieter einer Wohnung (oder hier eben einer Wohnungskategorie) wechseln, desto schneller steigt die Miete für die jeweilige Wohnung (bzw Wohnungskategorie).

      Reply to this comment
      • Christoph K.

        Mai 24. 2017

        Hallo,

        @ODK, vielen Dank für deinen Kommentar.

        ich habe bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen nachfragt, bei Wohnungen ohne SH, ohne Bad bzw. mit SH oder mit Bad wäre die Datenlage zu gering. Die Darstellung dieser Wohnungen im Mietspiegel sollen Vermietern und Mietern eine Anhaltspunkt bieten, jedoch seien diese nicht Teil des qualifizierten Mietspiegels und man solle sich daher auf Vergleichsmieten bzw. Sachverständigengutachten berufen.

        Das macht es meiner Meinung für Vermieter und Mieter von kleinen, günstigen Wohnungen (=schlecht ausgestattet) schwierig, wenn man sich nicht auf den Mietspiegel berufen kann. Der Gutachter muss ja dann auch von jemanden bezahlt werden?

        Grüße Christoph

        Reply to this comment
    • Mit Kohlenheizung und ohne Bad? Zeitreise. Wow, das es sowas noch gibt!

      Reply to this comment

Kommentar schreiben