Hunderte für sicheres Radfahren auf der Danziger Straße | Prenzlberger Stimme

Hunderte für sicheres Radfahren auf der Danziger Straße

 

Er und ein paar Freunde, erzählte der Redner, hätten sich des Nachts auf den Weg gemacht, um mit Hilfe von ein paar Eimern Farbe auf der Dimitroffstraße einen Fahrradweg zu markieren. Illegal. Natürlich sei man von der Polizei erwischt worden – und musste die Farbmarkierung gleich wieder entfernen. Das war 1990.
Mittlerweile heißt die einstige Dimittroffstraße wieder Danziger Straße. “Siebenundzwanzig Jahre sind seitdem vergangenen, aber geändert hat sich hier noch immer nichts!”
Zumindest fast nichts. Denn zwischen der Prenzlauer und Schönhauser Allee ist schon eine Radspur ausgewiesen. Aber mehr eben noch nicht.

Mehr als 300 Menschen waren am Mittwoch Abend zu einer vom “Netzwerk Fahrradfreundliches Pankow” initiierten Kundgebung zusammengekommen, um eine sichere Fahrradspur für die Danziger Straße zu fordern.

Zum Beginn der Veranstaltung wurde mit einer Schweigeminute einer Radfahrerin gedacht, die in der vergangenen Woche an der Kreuzung Danziger/ Ecke Greifswalder Straße ums Leben kam.
Die 31jährige Frau wurde von einem abbiegenden Lastwagen erfasst und überrollt.
Sie ist bereits das dritte radfahrende Verkehrsopfer in diesem Jahr. Zuvor starb Anfang Juni ein Mann in Neukölln, nachdem er mit der geöffneten Tür eines saudischen Diplomatenwagens zusammenstieß. Im März war in Kreuzberg ein 80jähriger Radler von einem nach rechts abbiegenden Sattelzug erfasst und getötet worden.
 

Zwei Meter breit – besser noch 2,50 Meter

Dann führten die Veranstalter vor, wie sie sich sicheres Radfahren auf verkehrsreichen Straßen vorstellen.
Die Radwege müssten zwei, besser noch zweieinhalb Meter breit sein, um auch einen Überholverkehr sicher zu ermöglichen.

Darüber hinaus sollten die Radverkehrsspuren baulich von der restlichen Straße abgegrenzt werden – um ein Zuparken der Radwege durch Autos zu verhindern.
Ob solche Poller – bei der Veranstaltung durch grün angemalte Pümpel symbolisiert – wirklich nötig sind… nun ja.
Fakt ist aber, dass die Danziger Straße zwischen der Landsberger und der Prenzlauer Allee über vier Auto- und genau Null Fahrradspuren verfügt.
Die 2,50 Meter für die Radler sind hier also ohne weiteres machbar.
Das hatte übrigens auch Verkehrsstaatsekretär Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/ Die Grünen) bereits im Februar dieses Jahres festgestellt.

Warum das auch siebenundzwanzig Jahre nach dem ersten – illegalen – Versuch noch immer nicht umgesetzt wurde, ließ der Redebeitrag von Stefan Gelbhaar erahnen. Er ist Verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Abgeordnetenhaus und war maßgeblich an der Konzipierung der Radverkehrsstrategie des rot-rot-grünen Senats beteiligt.
In seiner Ansprache erzählte er, dass bei der Übernahme der Regierung durch Rot-Rot-Grün im Senat ganze zwei Stellen für den Fahrradverkehr der Dreieinhalbmillionenstadt zur Verfügung standen. Das Ziel der jetzigen Landesregierung sei es, dass sich in der Landesverwaltung vierzig Leute mit dem Thema Fahrradverkehr befassen. Darüber hinaus werden gerade pro Bezirk zwei Vollstellen für Verkehrsplaner eingerichtet, die sich ausschließlich mit dem Fahrradverkehr befassen sollen.

Ebenfalls vor Ort war Gelbhaars sozialdemokratischer Kollege Tino Schopf. Der ergriff zwar nicht das Mikrofon, stellte sich aber der Diskussion mit den Kundgebungsteilnehmern.

Nicht zu entdecken war hingegen Verkehrsstaatsekretär Kirchner, in dessen Zuständigkeit die Danziger Straße als übergeordneter Verkehrsweg fällt.
Das war schade, denn möglicherweise hätte er den Anwesenden mitteilen können, wann die seit fünf Jahren laufenden Planungen für einen Fahrradweg in der Danziger endlich ihren krönenden Abschluss finden.

Aber vielleicht war er ja gerade unterwegs, um die für die Markierung des Radwegs nötige Farbe einzukaufen.

 

Impressionen von der Kundgebung


 

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12 Kommentare zu “Hunderte für sicheres Radfahren auf der Danziger Straße”

  1. leider zu wenig leute. wo war der Rest?

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  2. Der Rest hat sich nicht rausgetraut. Schließlich haben die meisten Radwege noch keine Pümpelabtrennung.

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  3. Wie man auf den Bildern in dem Artikel sehr schön sieht ist bei der Radwegbreite sicheres Überholen nur dann möglich, wenn der langsamere Radfahrer quasi direkt am Bordstein fährt und damit keinerlei Möglichkeit hat, irgendwelche Ausweichmanöver zu machen. Ich will auf der Danziger Straße (und auf allen anderen 6-spurigen Straßen) die komplette rechte Spur für Radfahrer und nicht so eine Entschuldigung, wie sie da oben abmarkiert wurde

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  4. “Ob solche Poller – bei der Veranstaltung durch grün angemalte Pümpel symbolisiert – wirklich nötig sind… nun ja.”
    Objektive Berichterstattung ohne meinungsbildende aussagen sieht anders aus.
    Ich finde es wichtig das Radfahrer geschützt werden, ohne wenn und aber!

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  5. Ok stimmt. Hast recht

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  6. was nutzen Radwege, wenn an Kreuzungen Unfälle passieren ?

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    • Dirk

      Jul 07. 2017

      Sichtbarkeit erhöht die Sicherheit. An der Kreuzung braucht es dann selbstverständlich auch eine gute Lösung z.B. mit separater Ampelschaltung.

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