Blühende Landschaften. Heute: Schonensche Straße | Prenzlberger Stimme

Blühende Landschaften. Heute: Schonensche Straße

 

Es ist ja nicht alles schlecht.

Nachdem es in Prenzlauer Berg in den vergangenen Monaten immer mal wieder zu sogenannten Baumscheiben-Massakern gekommen ist, bei denen Mitarbeiter des Pankower Grünflächenamtes vom Anwohnern liebevoll mit Blumen bepflanzte Baumscheiben rodeten, ist nun erfreuliches zu berichten: Die Schonensche Straße ergrünt. Und das mit dem Segen des Amtes!

Die von der Schönhauser Allee abgehende Seitenstraße wirkt ein wenig trist und grau, im Gegensatz zu den meisten anderen Prenzlauer Berger Straßen steht hier weithin kein Baum und kein Strauch. Das hat seinen Grund, denn direkt unter dem Mosaikpflaster des Gehwegrandes verlaufen allerlei Versorgungsleitungen, die einen möglichen Konkurrenzkampf mit sich nach unten durcharbeitenden Baumwurzeln unweigerlich verlieren würden. Wo aber keine Bäume standen oder stehen, gibts auch keine Baumscheiben die man bepflanzen könnte – weder legal, noch illegal.
 

Treffpunkt Späti

Dafür gibt es in der Schonensche – und hier ist sie eben wieder eine ganz normale Prenzlauer Berger Wohnstraße – einen “Späti”. Eine kleine Verkaufsstelle also, die fast immer geöffnet hat und in der sich die Leute aus dem Kiez sozusagen die Klinke in die Hand geben. Beziehungsweise auch mal auf ein Bier verweilen und ein wenig miteinander klönen.
Als man da wieder mal beieinander saß, sagte jemand: Alles ein wenig trist und grau hier; man müsste vielleicht mal…

Doch wo und wie? Keine Bäume, also keine Baumscheiben… – genau! Aber wenn man irgendwelche Gefäße fände, in die man etwas pflanzen könnte, das wär’ ja auch schon was.
Und tatsächlich: Es fand sich ein alter Betonkübel, den man mit Erde füllte und mit Blühendem bestückte. Das war vor einem Jahr.

Da aber eine Blumenschale noch keine blühende Landschaft macht, wandten sich die Leute, die sich nun “Initiative Straßengrün für die Schonensche” nannten, an das Pankower Straßen- und Grünflächenamt und baten um Blumenkästen für die ganze Straße.

Klar, dass so ein Amt nicht einfach sagt: Hier habt ihr ein paar Kästen und ein bisschen Sand, nun macht mal!

“Das war schon ein gewisser Aufwand”, erzählte Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn. Man habe das alles ja erstmal prüfen müssen. Es gab eine Begehung der Straße, bei der der Bürgersteig vermessen wurde – schließlich darf der Gehweg laut Gesetz A und der darauf fußenden Verordnung B in der Fassung C eine Mindestbreite X nicht unterschreiten, damit die Bürger auch nach Aufstellung von Blumenkübeln noch in der vorgeschriebenen Form über den Steig gehen können.
Und dann war noch die Frage der Pflege zu klären.

 

Pflege in Eigenregie

Das Grünflächenamt ist unterbesetzt, da reicht das Personal gerade noch so zum Aufspüren und Eliminieren illegaler Pflanzungen – für die umfassende Pflege der vielen legalen ist die Kapazität viel zu gering. Doch auch das Problem wurde gelöst:

Die “Initiative Straßengrün für die Schonensche” schloss einen Blumenpflanzkübelpatenschaftsvertrag mit dem Bezirksamt ab und gießt die Rabatten selbst.

Nachdem das alles geklärt war, konnten Kübel nun endlich aufgestellt und bepflanzt werden.

Dazu gab’s ein klitzekleines Straßenfest, das vor dem “Neon abgehalten wurde.
Zu dem kam auch der Stadtrat, der sich freute, dass aus seinem Amt was Positives zu berichten ist; die bündnisgrüne Abgeordnete Bettina Jarrasch, die schon beim ersten Blumenbehältnis mit von der Partie war und ihr Kollege Stefan Gelbhaar war auch da.

 

Doch nicht ganz normal

Dann wurde in formschönen Plastebechern Sekt gereicht und aus der vor dem “Neon” aufgebauten Lautsprecherbox erklang Gitarrenmusik – erzeugt von daneben stehenden Gitarristen.
“Das machen machen wir hier übrigens öfter”, erzählt Thomas-Adli Lehmann, einer der Organisatoren der Kübelpflanzaktion.
“Was?”, fragte die Prenzlbergers Stimme zurück. “Sekt trinken?”
“Nein, Musik vor dem Neon.”
“Und da hat sich noch niemand beschwert? Wegen Lärm und so? Ich meine, wir sind doch hier in Prenzlauer Berg”
“Nein.”
“Noch nie?”
“Noch nie.”

Sprach’s und griff sich ein neben der Box liegendes Mikrofon, um im Duett mit der Gitarre ein wenig zu singen.
 
Die Schonensche scheint doch keine ganz gewöhnliche Prenzlauer Berger Straße zu sein.

 

 

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7 Kommentare zu “Blühende Landschaften. Heute: Schonensche Straße”

  1. Ingo Atomino Knito Lili Put

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  2. Nicht nur mit Blumen bepflanzt, sondern gleich mit kleine Zäune eingefriedet.

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  3. …Nanana… (erhobener Zeigefinger)… die Straßenseite mit dem Späti gehört offiziell zu Pankow, nur die andere Straßenseite zu Prenzlberg… verrückt, ist aber so. (ist mir “nur so nebenbei” aufgefallen, als ich da letztes Jahr “beruflich tätig” war)
    Aber schön, dass die Initiative nach nunmehr einem Jahr endlich loslegen darf.

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  4. heiner funken

    Sep 22. 2017

    so ein quatsch. damit die bürger keine baumscheiben begrünen, werden jetzt von amtswegen kübel aufgestellt, die wenige tage vor der wahl von einer grünen kandidatin in gesellschaft des grünen stadtrats bepflanzt werden? was für ein verlogener krampf. das ist weder grün, noch bürgernah, noch bürgerbeteiligt und ohne jede normalität. amtskrampf mit grüner sauce.

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    • von ODK

      Sep 23. 2017

      Dafür ging es auch sehr schnell. Es hat nur ein Jahr vom Antrag bis zur Aufstellung der Kübel gedauert… 😀

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  5. Na ja Wahlen eben

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