Mangelware Weihnachtszeugs | Prenzlberger Stimme

Mangelware Weihnachtszeugs


 

Als die Prenzlberger Stimme ihn traf, schien Ruprecht Knecht (Name geändert) noch immer völlig aus dem Häuschen zu sein. „Das muss man sich mal vorstellen: Offensichtlich schon alles ausverkauft!“

Es begann am Nachmittag des 29. August, Knechts Frau ihrem Mann den Einkaufzettel auf den Tisch und sagte dann: Du, in nicht mal mehr vier Monaten ist Weihnachten, schau doch mal, ob du nicht ein paar Lebkuchen, einen Stollen, drei, vier Schokoladenweihnachtsmänner und etwas Festtagssüßigkeiten bekommst.

„Also bin ich rüber zu Aldi am S-Bahnhof Greifswalder Straße, packe Kartoffeln, Hackfleisch, Milch und Zucker in den Wagen und mache mich dann auf die Suche nach dem Weihnachtszeugs. Und was soll ich Ihnen sagen? Nix mehr da, keine Puseratze – nicht mal einen Pfefferkuchenkrümel konnte man entdecken!“

Na gut, dachte sich Knecht, kann ja mal vorkommen. Schließlich ist ja Heiligabend schon am 24. Dezember und so gesehen war er ja mit seinem Kaufwunsch doch schon ziemlich spät dran. Also ging über die Straße hinüber zur REWE-Filiale.

Aber auch dort: Nichts, was auch nur am Entferntesten mit Weihnachten in Verbindung zu bringen wäre.

„Da“ erzählte Knecht, „wurde ich nachdenklich. Hieß es in letzter Zeit nicht immer, dass die Regierung Weihnachten abschaffen will, damit sich die ganzen Ausländer nicht diskriminiert fühlen? Ich hab das ja nie so ganz geglaubt – aber wenn man jetzt nicht mal mehr Printen zu kaufen bekommt… .“

Nach längerem Suchen wurde Ruprecht Knecht dann aber doch noch fündig. In Netto-Filiale in der Erich-Weinert-Straße nahe der Prenzlauer Allee gab es tatsächlich noch Weihnachtsstollen, Lebkuchen mit Zucker- und Schokoladenüberzug, Marzipankartoffeln und Spekulatius in ausreichenden Mengen vorhanden. Nur Schokoweihnachtsmänner waren nirgends zu entdecken.

„Naja“, sagte Knecht nun sichtlich ruhiger, „von den Schokoladenosterhasen, die wir im Januar gekauft hatten, sind noch ein paar übrig. Wenn wir die rot anmalen und ihnen einen weißen Bart ins Gesicht pappen, müsste es gehen.“

 

 

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