Stadtkloster Segen: 110jähriger Turm braucht Hilfe | Prenzlberger Stimme

Stadtkloster Segen: 110jähriger Turm braucht Hilfe

 

Was zuviel war, war zuviel. Nachdem es am Karfreitag des Jahres 1891 in der sicher nicht beengt gebauten Zionskirche mit ihren 1424 Sitzgelegenheiten zu einer handfesten Schlägerei um die letzten Plätze gekommen war, beschloss die Zionsgemeinde die Gründung einer Tochtergemeinde für circa 40.000 Mitglieder.

Allerdings gab es schon damals ein Platzproblem. Während die viele Kirchen Kirchen noch vor dem Gründerzeit-Boom sozusagen auf luftiger Höhe vor den Toren der Stadt errichtet wurden, war Prenzlauer Berg zu jener Zeit schon dicht bebaut.

So wurde im Jahr 1900 das Grundstück Schönhauser Allee 161 erworben und die Architekten August Dinklage, Ernst Paulus und Olaf Lilloe beauftragt, ein Kirchengebäude zu entwerfen, dass sich in die Front der Schönhauser Allee einpasst.
Nachdem das sich auf dem Grundstück befindliche Wohnhaus samt Kneipe und Kegelbahn abgerissen wurde, erfolgte am 16. Oktober 1905 der erste Spatenstich.

Drei Jahre später, wurde der Komplex – bestehend aus einer am Kirche in der Schönhauser Allee wurde am 6. Dezember 1908 eingeweiht. Auf die heutige Zeit bezogen muss man feststellen: In dem Zeitraum, in dem man heute eine Schule errichtet, hätte man damals drei Kirchen samt Wohnhaus und Glockenturm errichtet.

Die Bombardements und Kämpfe des Zweiten Weltkriegs überstand die Kirche weitgehend unbeschadet.
Überdauerte das Bauwerk auch alle geschichtlichen Wendungen und Konflikte der letzten hundert Jahre, so kamen ihm aber peu á peu die Nutzer abhanden.
 

Schweizer Communität gründete Kloster in der Großstadt

Nachdem schon im Jahr 2003 die Eliaskirche in der Senefelderstraße „umgenutzt“ wurde – hier befindet sich nun das „MachMitMuseum“ für Kinder – fand die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nordost für die Segenskirche in der Schönhauser Allee in der Schweiz Angehörige der evangelischen „Communität Don Camillo“, die sich auf das Abenteuer einließen, mitten in Berlin ein Kloster zu etablieren.

Foto: Kloster Segen

Mittlerweile ist das „Stadtkloster Segen“ inzwischen eine Art spirituelle Oase in Prenzlauer Berg geworden.
„Ora et Labora“ – „Bete und arbeite“ – lautet eine Aufforderung des Heiligen Benedikt. Arbeit gibt am Kirchenbau, der bis zum Einzug der Schweizer Communität nicht kaum bauliche Pflege erfahren hatte, reichlich.

Seit dem Einzug der Communität im Jahr 2007 wurden erst die im Kirchenkomplex befindlichen Wohnungen saniert, einschließlich der zum teil hundert Jahre alten Versorgungsleitungen für Wasser, Abwasser und Strom und natürlich die Heizung.Gästezimmer wurden ausgebaut, im Turm ein Fahrstuhl installiert.

Dann waren die Außenmauern und Dächer an der Reihe. Dass das alles unter den gestrengen Augen der Denkmalschutzbehörde geschah, machte die Sache nicht unbedingt leichter. Fast 1,8 Millionen Euro wurden bereits für die Erhaltung und Erneuerung des Kirchenbaus ausgegeben. Rund 720.000 Euro stammen aus Senatsmitteln, Zuwendungen der Kirchengemeinde und des Kirchenkreises. Der „Rest“ – mehr als eine Millionen – wurden durch Spenden und private Darlehen finanziert.

 

Bezirksbürgermeister Benn ruft zur Unterstützung auf

Bislang nicht saniert wurden Kirchturm und Kirche.

Aus einer Schadensanalyse geht hervor, dass der Turm stark beschädigt ist und bei einer der Zwischendecken Einsturzgefahr besteht. Einige der Schäden haben ihren Ursprung im Zweiten Weltkrieg, andere sind witterungsbedingt. Die Kosten werden auf 670.000 Euro geschätzt.

Um das Geld für die Turmsanierung zusammenzubekommen, hat der Trägerverein eine Spendenkampagne gestartet. Unter anderem wird es am Sonntag, dem 23. September 2018 ab 15 Uhr ein Benefizkonzert des Ensemble Ad Hoc geben, dass Schuberts „Winterreise“ zur Aufführung bringt.
Die Kampagne wird auch von Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) unterstützt, der für das Konzert die Schirmherrschaft übernommen hat. „Ich möchte die Pankowerinnen und Pankower aufrufen“ so Benn in einer vom Bezirksamt veröffentlichten Erklärung, „für den Erhalt des Kirchturmes zu spenden und unterstütze das Stadtkloster bei der Einwerbung von Fördermitteln.“

 

Wer eine Turmspende leisten will…

…kann das zum Beispiel online unter der URL https://www.kd-onlinespende.de/projekt/der-turm-bleibt-412/display/link.html tun.

Dort findet man auch weitere Kontaktdaten. Selbst mal vorbeigehen kann man natürlich auch.


 


 
Fotos (2): Dirk Grabowski

 

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