Demonstration zu den Orten des Versagens | Prenzlberger Stimme

Demonstration zu den Orten des Versagens


 

Mehr als 300 Menschen demonstrierten am Freitag gegen den galoppierenden Mietenwahnsinn durch Prenzlauer Berg. Dabei führte der Zug an mehreren Häusern vorbei, deren Mieter um ihre Wohnungen fürchten mussten – oder sie eben auch schon verloren haben.

Beginnend am Haus Kollwitzstraße 2, das vor drei Jahren in die Schlagzeilen kam, weil der seinerzeitige Eigentümer das Haus illegal in Eigentumswohnungen umwandeln wollte, das Haus verkommen ließ um die Mieter so zum Auszug zu bewegen, zog die Demonstranten wieter zur der Belforter Straße.

Hier ließ der Bauunternehmer Rainer Bahr Teile einer preiswerten 60er-Jahre Bebauung abreißen, um Platz für einen hochpreisigen Neubau zu schaffen, Die Bezirkspolitik, die Anfangs vollmundig die Durchsetzung des Erhalts der bezahlbaren Wohnungen versprach, knickte schließlich ein und ließ die Mieter im Regen stehen. Diejenigen,die sich auf einen langwierigen Klageweg begaben, gewannen zwar ihre Prozesse, mussten aber dennoch ausziehen.

Mietrechtsanwältin Carola Handwerg, die die Mieter damals vertrat, wies in ihrem Statement vor der Winsstraße 59 auf die verschärfte Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bezüglich von Wohnungskündigungen hin und forderte von der Politik, hier gesetzliche Änderungen herbeizuführen.
Das Haus Winsstraße 56 ist eines jener Häuser, das von der Christmann-Gruppe modernisiert wurde. Berichte über die Terrormethoden, die die Christmann-Brüder anwandten, um die angestammten Mieter aus dem Haus zu bekommen, füllten so manche Zeitungsseite.
Auch Sven Fischer aus der Kopenhagener Straße 46 wurde Opfer des Christmann-Terrors.
Das Wort Opfer weist er allerdings zurück: „Wir sind keine Opfer“, sagte er in seiner Rede, „auch wenn es sich anfangs so anfühlt.“ Er rief dazu auf, sich zu vernetzen, Solidarität untereinander zu üben – und sich zu wehren. Fischer hatte dies fünf Jahre lang in unzähligen Gerichtsverfahren erfolgreich getan. Erst kürzlich zogen die die Christmanns wieder einmal den Kürzeren.

Über das Skandalhaus Immanuelkirchstraße 35 ist hier ausführlich berichtet worden. Der Fachbereichsleiter Stadterneuerung im Stadtentwicklungsamt hatte dem Eigentümer hinter dem Rücken der Mieter und der Bezirksverordneten zugesichert, dass der Bestandsschutz für das Gebäude nicht aufrecht erhalten werde – so dass es nicht mehr unter die Schutzkriterien des Sozialen Erhaltungsgebietes fällt.

Weitere Stationen waren die Prenzlauer Allee 45, deren Mieter sich beim Bezirksamt vergeblich darum bemühten, mittels Kommunalem Vorkaufsrecht vor einem Immobilienspekulanten geschützt zu werden und die Raumerstraße 15, in der die landeseigene Gewobag noch Kriterien sanierte, die jedem manchem serösen Privateigentümer die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte.

Das Haus Raumerstraße 33 hat ebenfalls eine lange Geschichte: Mit seltsamen Eigentümern, Vertreibungsterror und einem nicht enden wollendem Leerstand. Die letzte „Kleine Anfrage“ in Sachen Leerstand an das Bezirksamt datiert vom September 2017 – getan hat sich aber offenbar noch immer nichts.

Die Demonstration endete an der Kreuzung Duncker-/ Ecke Stargarder Straße. Hier steht das Eckhaus, deren Mieter vom wegen Versäumnisse des Bezirksamts nun für eine offensichtlich nicht notwendige „energetische Fassadensanierung“ zahlen müssen.

Nimmt man es genau, war das eigentlich nicht nur eine Demonstration, sondern auch eine Sightseeing-Tour des Versagens der Mietenpolitik in Bund, Land und Bezirk.

 

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