Café Niesen: Abschied ohne Penis-Kunst-Verkäufer | Prenzlberger Stimme

Café Niesen: Abschied ohne Penis-Kunst-Verkäufer


 

Ein Name schwebte am Dienstag bei der Abschiedsparty des Café Niesen in der Schwedter Straße am Mauerpark immer wieder durch den Raum: Till Lindemann. Der Schriftsteller, Dichter, Musiker, „Penis-Kunst-Verkäufer“ (Berliner Kurier) und Frontmann der Gruppe „Rammstein“, so war bei vielen Gästen des letzten Tages zu hören, ist Eigentümer des Hauses und verantwortlich dafür, dass das Café nun schließt. Der Ärger, die Trauer und zuweilen auch die Wut darüber waren allenthalben spürbar.

Protest vor dem Café Nienen – Foto: Hartrmut Bräunlich

Das ist vielleicht etwas ungenau. Denn Lindemann war und ist in dieser Sache von niemand zu erreichen, so dass seine Stellungnahme zu dem Vorwurf fehlt. Und die Mieterhöhung, die die Inhaberin Christine Wick auf den Tisch bekam, erhielt sie von der Hausverwaltung.

Die hatte ihr schon 2016 mitgeteilt, dass der Pachtvertrag nicht verlängert wird, ihr allerdings einen neuen angeboten: Statt 12,85 Euro Nettokaltmiete sollte sie kommenden fünf Jahre 20 Euro für den Quadratmeter zahlen. Verhandeln zwecklos.

„Das kann ich nicht“, sagt Christine Wick. Denn dann müsste sie die Preise erhöhen – und das nicht nur ein bisschen. Aber das Niesen sollte für alle bezahlbar bleiben. Entweder ganz oder gar nicht. Und deshalb ist jetzt nach 13 Jahren Schluss.

Christine Wick – Foto: Hartmut Bräunlich

Das Niesen war nicht nur einfach ein Café. Es war nicht ein, es war d e r Kieztreffpunkt.
Es gab Lesungen, Jazzkonzerte und Ausstellungen. Hier wurde geklönt, gequatscht, Fußball geschaut und die nächste Protestaktion geplant: Gegen die Mauerparkbebauung, gegen Mietenwahnsinn und was sonst noch so auf der Tagesordnung stand. Es war das Wohnzimmer des Gleimkiezes.

Das Wort „Wohnzimmer“ fällt an diesem Abend immer wieder. Auf der kleinen, improvisierten Bühne, auf der Musiker den Abschiedsblues spielten. Bei den Gästen, die so zahlreich erschienen waren, dass drinnen schlicht der Platz fehlte und viele vor dem Café Abschied nahmen.

Nur einer ließ nichts von sich hören oder sehen: Till Lindemann. Dabei hätte er sich doch erklären können. Hätte erläutern können warum er – der offensichtlich nicht zu den Ärmsten unter dieser Sonne zählt – so dringend auf zusätzliche 2.000 Euro im Monat angewiesen ist.

Doch bis zum letzten Tag war von ihm darüber nichts zu hören, nichts zu sehen, nichts zu lesen.
Das fragt man sich: Ist das nun eher herablassende Verachtung für die Leute im Kiez – oder einfach nur Feigheit?

Kein schönes Bild: Ein „Penis-Kunst-Verkäufer“, dem jeglicher Arsch in der Hose fehlt.

 

 

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8 Kommentare zu “Café Niesen: Abschied ohne Penis-Kunst-Verkäufer”

  1. heiner funken

    Okt 18. 2018

    die branchenwebsite mediamass.net berichtete unlängst folgendes: https://de.mediamass.net/stars/till-lindemann/bestbezahlte.html eventuell wird lindemann die räume ja für ein eigenes projekt nutzen. die website mediamass.net berichtet:………” Darüber hinaus besitzt er mehrere Restaurants (die „Fat Lindemann Burger”-Kette) in Berlin” das ist genau das was wir im kiez brauchen eine promi- burgerbude vollgestopft mit rammsteingroupies.

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    • stephan

      Okt 18. 2018

      Die Seite Mediamass.net ist eine Satire Seite oder nenne sie auch Fake News Seite! Schaut dir doch Seiten ein bisschen genauer an, auf die du verweist..

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  2. Martin

    Okt 19. 2018

    Die Seite die du als Quelle angibst, ist eine Satireseite.
    Und das sagt einiges über diesen Fall, der an Lächerlichkeit nicht zu übertreffen ist. Zudem habt ihr nur die Informationen vom Niesen, ein Laden der in den letzten Jahren so stark abgebaut hat. Es gibt mindestens genauso viele Leute die es nicht stört, dass das Sozielkaffee schließt. Nur bekifft rumzusitzen und die Leute im Schneckentempo bedienen, so kann man keinen Umsatz machen. Warum soll ein Till lindemann dafür zahlen.

    Ich finde diesen ganzen Vorgang erbärmlich. Macht Euern Job ein bisschen professionell dann könnt ihr auch diese Miete bezahlen. Diese ist im Vergleich zu anderen Gewerbeflächen immernoch am unteren Rand. Wir haben übrigens 2018.

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    • Nele

      Okt 19. 2018

      Sehe es so wie du. Man muss es da realistisch sehen selbst wenn es natürlich für manche traurig ist Abschied zu nehmen. Aber das hat wohl Gründe die man nicht vergessen sollte. Till Lindemann kann natürlich auch ein Gutmensch sein und sie weiterhin für die Miete drinnenlassen aber ich glaube dass, auch wenn es schade ist, in solchen Trendvierteln die Mietpreise einfach rasant steigen, auch neben diesem genannten Fall. Gerade in Berlin

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    • Christoph

      Okt 20. 2018

      Erbärmlich ist Dein neoliberales Mackertum, Großer. Hast gut gelernt, wie man das jetzt hier macht: nachtreten, Gift spritzen usw. Willkommen, Du paßt hier wunderbar hin!

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    • Nina

      Okt 21. 2018

      Es gibt niemanden im Kiez der das Niesen nicht vermissen wird Du Lackaffe!!!

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  3. Tom

    Okt 20. 2018

    Miethaie?

    Leute wacht mal langsam auf, der Staat verscheissert euch mit derart hohen Steuern und ihr meckert über Miethaie?
    Miethaie bzw. die Gesetze bezüglich Erwerb von Eigentum in Deutschland wären eher das zweite Problem.

    Berlin war vor nem guten Jahrzehnt eines der letzten Refugien in Deutschland wo man noch etwas Freiheit genießen konnte, das Schicksal welches Berlin jetzt trifft hat viele Städte in Westdeutschland schon vor über 15 Jahren getroffen.

    Was bleibt ist ein einziges Trauerspiel in Deutschland..

    Wohnte übrigens auch in der oben besagten Straße, war ne schöne Zeit.

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  4. Echter Prenzlauer Berg

    Okt 22. 2018

    So trifft die Gentrifizierung am Ende all die hippster, die meine Heimat Prenzlauer Berg nach 1989 zerstört haben.. wie ihr schon immer Kiez sagt….kein Mensch in Ostberlin hat damit hantiert.. Danke Till!

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