Paul-Robeson-Straße 17: Verkauf droht – Bezirk soll kommunales Vorkaufsrecht anwenden | Prenzlberger Stimme

Paul-Robeson-Straße 17: Verkauf droht – Bezirk soll kommunales Vorkaufsrecht anwenden


 

In Prenzlauer Berg gibt es nicht mehr viele Wohnhäuser, wie das Haus Paul-Robeson-Straße 17: Die die bröselige Fassade lässt von der einstigen Herrlichkeit noch eine Ahnung zu, das Treppenhaus scheint im Originalzustand des ausgehenden 19. Jahrhunderts erhalten zu sein. Einige Wohnungen verfügen noch über Ofenheizung, andere haben gasbetriebene Außenwandheizer aus DDR-Zeiten oder eine neuere Gasetagenheizung.

Die 28 Wohnungen im Haus sind alle vermietet. Hier wohnen Angestellte, Selbständige Künstlern, Studenten, ALG II Empfänger, Alleinerziehende. Im Erdgeschoss befinden sich in Gewerbeflächen, die seit 20 Jahren Atelierräume als dienen und in denen Ausstellungen und künstlerische Projekte realisiert werden.
“Wir sind eine richtige Hausgemeinschaft“, erzählt Mieter Nils Werner, „die meisten Leute wohnen hier schon seit Jahren oder Jahrzehnten.“ Was nicht nur an den hier für Prenzlauer Berger Verhältnisse moderaten Mieten liegt.

Man lebe hier lebe hier nicht einfach so aneinander vorbei, erzählt eine andere Mieterin. Das Gemeinschaftsgefühl sei so stark, dass selbst Paare, die sich getrennt hatten, und deshalb auseinanderzogen, lieber darauf warteten, dass im Haus etwas frei wurde, anstatt ganz wegzuziehen.

An der Harmonie kam nicht unbedingt zufällug: „Die Hausverwaltung hatte immer darauf geachtet, dass die Mieter auch zusammenpassen. Rechtsanwälte oder so hätten hier keine Chance gehabt.“

Doch der einstige Eigentümer ist gestorben und die Erben wollen den Nachlass unter sich aufteilen.
 

Vorbild Gleimstraße 56

Im August dieses Jahres erhielten die Mieter von der Verwaltung die Nachricht, dass ein Makler mit dem  Verkauf des Hauses beauftragt worden sei.
Was das bedeutet, war allen sofort klar. Eine solche Immobilie wäre ein Goldgrube für Luxusmodernisierer, wohl keiner der bisherigen Bewohner würde wohl am Ende des Tages im Haus verbleiben können.

Die Mieter gründeten einen Verein mit dem Namen PR17 und wandten sich an Politiker mit der Bitte, dafür einzutreten, dass der Bezirk das kommunale Vorkaufrecht für ihr Haus in Anspruch nimmt.

Vorbild war dabei das ein paar Straßen weiter gelegene Haus Gleimstraße 56, dessen Bewohner es mit vielen öffentlichen Aktionen erreicht hatten, dass Bezirk und Land die Immobilie trotz des horrenden Kaufpreises von 7,9 Millionen Euro zu Gunsten einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft vorgekauft hatten.

„Alle haben sofort reagiert“, berichtet Niels Werner. Man sei mit dem für Stadtentwicklung zuständigen Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Bündnis 90/ Die Grünen) in Kontakt, der Abgeordnete Michail Nelken (Die Linke) habe sich vor Ort über die Lage informiert und für den 31. Oktober hat sich Bezirksbürgermeister Sören Benn zu einem Besuch angesagt.

Bisher ist beim Bezirksamt noch keine Meldung über einen Verkauf des Hauses eingegangen. Erst dann kann von Seiten des Bezirks in Sachen Vorkaufsrecht gehandelt werden. Bis dahin wollen die Mieter aber nicht untätig bleiben und weiter auf ihre Situation aufmerksam machen.

 

 

 

Information muss für jeden frei zugänglich sein

 

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Hat er Ihnen vielleicht sogar eine Information vermittelt, die Sie bisher noch nicht kannten?

Das freut mich.

Damit das so bleiben kann, benötigt die Prenzlberger Stimme Ihre Hilfe. Warum das nötig ist, können Sie mit einem Klick hier erfahren.

Damit die Hilfe auch ankommt, bitte ich Sie, den Unterstützungsbeitrag auf folgendes Konto zu überweisen:

IBAN: DE64100500000514075040
BIC:BELADEBEXXX

Verwendungszweck: Prenzlstimme

Selbstverständlich bleiben die Daten ausschließlich bei der Prenzlberger Stimme und werden niemand sonst für was auch immer zur Verfügung gestellt.

VIELEN DANK!

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail


2 Kommentare zu “Paul-Robeson-Straße 17: Verkauf droht – Bezirk soll kommunales Vorkaufsrecht anwenden”

  1. sogenannte Investoren – die sich später als Heuschrecken entpuppen – kaufen Oma ihr klein Häuschen ….. Fördermittel abzocken und nis wie weg….

    Reply to this comment
  2. D3

    Nov 10. 2018

    Eine Luxussanierung des Hauses dürfte eigentlich nicht passieren, wie der Artikel suggeriert. Ein paar Grenzen für Umbauten in Milieuschutz-Häusern gibt es ja.

    Man sieht im Milieuschutzgebiet Arnimplatz seit diversen Jahren das Häuser eingerüstet sind und aufgehübscht, Dachgeschosse ausgebaut und Lücken bebaut werden. Dh. die Verdrängung ist absehbar. Daher würde ich mir eine umfassendere Mobilisierung der Anwohner/innen wünschen.

    Reply to this comment

Kommentar schreiben

Social Media Auto Publish Powered By : XYZScripts.com