Gedenktafel für Pfarrer Johannes Schwartzkopff | Prenzlberger Stimme

Gedenktafel für Pfarrer Johannes Schwartzkopff


 

Am Mittwoch wurde in Anwesenheit von Bezirksbürgermeister Sören Benn auf dem Grundstück der Immanuelkirche eine Gedenktafel für den ehemaligen Oberkonsistorialrat Johannes Schwartzkopff enthüllt. Schwartzkopf, der eineinhalb Jahrzehnte als Pfarrer in der Immanuelgemeinde tätig war, gehörte zu den führenden Köpfen der “Bekenneden Kirche”.

 

Johannes Schwartzkopff wuchs als Sohn des Pastors David Schwartzkopff in Berlin auf, der 1896 eine Pfarrstelle der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße übernahm und als Direktor der Berliner Stadtmission tätig war.

Sohn Johannes trat in die Fußstapfen seines Vaters, studierte ebenfalls Theologie und wurde nach mehreren Stationen 1925 zum Domprediger am Güstrower Dom berufen..
Schon in seinem ersten Amtsjahr in Güstrow begann seine Bekanntschaft und spätere Freundschaft mit mit dem Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller Ernst Barlach.

Im Frühjahr 1926 erfuhr Barlach vom Plan des Rates der Güstrower Domgemeinde, den Gefallenen des Ersten Weltkrieges mit der Aufstellung eines Findlings ein Denkmal zu setzen. Als Johannes Schwartzkopff Barlach um seine Meinung dazu bat, kritisierte Barlach Anspruchslosigkeit eines solchen Denkmals und bot an, unabhängig von einem offiziellen Auftrag einen eigenen Vorschlag zu machen.
Das Ergebnis war Barlachs wohl bekanntestes Werk „Die Schwebende“ – ein schwebender Engel mit den Gesichtszügen von Käthe Kollwitz.
 

Widerstand gegen nationalsozialistische Vereinnahmung

Nachdem 1933 die „Deutschen Christen“ – eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus – die Macht in der Mecklenburgischen Landeskirche übernommen hatte, war die bereits geplante Berufung Schwartzkopffs zum Landessuperintendenten in Rostock obsolet.

Stattdessen gehörte er bald zu den führenden Mitgliedern des Pfarrernotbunds und der Bekennenden Kirche in Mecklenburg.
Der im September 1933 gegründete Pfarrernotbund war ein Zusammenschluss evangelischer Theologen, Pastoren und kirchlicher Amtsträger gegen die Einführung des Arierparagraphen in der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK).
Die Bekennende Kirche war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen die Gleichschaltung von Lehre und Organisation der DEK mit dem Nationalsozialismus. Diese Auseinandersetzung ging unter dem Begriff „Kirchenkampf“ in die Geschichte ein.
 

Redeverbot und Haft

Im Februar 1934 wurde Johannes Schwartzkopf von der von den „Deutschen Christen“ dominierten Kirchenbehörde vorübergehend seines Amtes enthoben. Vier Monate stand er mit sechs weiteren Pastoren vor einem Sondergericht in Schwerin, das ihn wegen „Verstoß gegen die Heimtückeverordnung“ und wegen „Herabwürdigung des nationalsozialistischen Staates“ zu vier Monaten Haft verurteilte.

Die Verfahren hatten zur Folge, dass Schwartzkopff nach Mölln (Mecklenburg) versetzt wurde.

Dort wurde 1935 wurde ein Redeverbot gegen ihn verhängt. In den Unterlagen der Politischen Polizei findet sich dazu folgender Vermerk:
 


Pastor Schwartzkopff hat am 9. Mai 1935 auf einem Gemeindeabend der Bekenntnisfront in Güstrow den Kirchenstreit in einer Weise erwähnt, die geeignet ist, unter den Zuhörern eine falsche Vorstellung über die Stellung des Staates zur Kirche und dadurch eine Verschärfung der kirchlichen Lage hervorzurufen. Pastor Schwartzkopff versucht durch Äußerungen wie:
“Man dürfe nicht vor dem Konzentrationslager zurückschrecken. Es würden noch viele Strafmaßnahmen gegen die Führer und Pfarrer der Bekenntnisfront fallen” eine Märtyrerstimmung unter seinen Zuhörern zu erregen. Die Zuhörer werden durch derartige Äußerungen in den Glauben versetzt, der Staat wolle das Christentum bekämpfen. Derartige Äußerungen sind weiter geeignet, unter den Zuhörern den Glauben aufkommen zu lassen, daß in Zukunft mit der Möglichkeit einer Christenverfolgung durch den Staat zu rechnen sei.
Da aus dieser einseitigen und unrichtigen Stellungnahme zum Kirchenstreit eine ernsthafte Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung entstehen kann, mußte das Redeverbot verhängt werden,

 

Hilfe für “rassisch” Verfolgte

Im Mai nahm Johannes Schwartzkopf eine Berufung an die Berliner Immanuelkirche an.

In Berlin setzte er sich für Juden und Christen ein, die von den Nürnberger Rassegesetzen betroffen waren.
Er wurde verhaftet und kurzzeitig in das Gefängnis Plötzensee verbracht. Weitere Inhaftierungen folgten 1938 und 1939.

Doch er lueß sich nicht einschüchtern. Im Jahr 1944 taufte und konfirmierte den späteren Schriftsteller Sigmar Schollak, dessen Vater Jude war. Er bot Verfolgten Versteck an und vermittelte sie in Pfarrhäuser nach Mecklenburg so zumBeispiel so die junge Jüdin Rosa Dessauer, die in verschiedenen Pfarrhäusern Unterschlupf fand und so die Nazizeit überlebte.
Nach dem Krieg wurde Johannes zum Konsistorialrat und Mitglied des Berliner Oberkirchenrats berufen. Zu seinem Verantwortungsgebiet gehört die Bahnhofsmission, die ihre Tätigkeit DDR jedoch 1956 auf Weisung der der SED-Oberen einstellen musste.
 

Nachlassverwalter Ernst Barlachs

Schwartzkopf, der Ende Oktober 1938 die Trauerfeier für Ernst Barlach in dessen Güstrower Atelier abhielt und die die Beisetzung in Ratzeburg leitete blieb seinem Freund aus nach dessen Tod verbunden.

Im Jahr 1947 betreute Schwartzkopff die erste Berliner Barlach-Ausstellung nach dem Krieg . 1950 unternahm er eine Vortragsreise über Barlach nach Schweden und Dänemark. Er setzte sich für die Wiederaufstellung des Mahnmals „Die Schwebende“ im Güstrower Dom ein, dass sein Nachfolger im Dompredigeramt, der deutschchristliche Landessuperintendent Friedrich Kentmann entfernen ließ, und sprach bei der Wiedereinweihung 1952.

Er wurde in das Nachlassgremium zur Verwaltung des künstlerischen Nachlasses Barlachs berufen, dem er bis zu seinem Tod angehörte
Im Januar 1958 ließ sich Johannes Schwartzkopff pensionieren und zog nach West-Berlin, wo er am 22.Juni 1968 verstarb.

 

Fotos oben: Andreas Otto

 

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