Ein Bett und ein Dach überm Kopf für 100 Menschen | Prenzlberger Stimme

Ein Bett und ein Dach überm Kopf für 100 Menschen


 

Am Mittwoch Abend wurde in der Storkower Straße 133a im Rahmen der Berliner Kältehilfe eine Unterkunft mit 100 Betten für Obdachlose eröffnet.

Das im Prenzlauer Berger Gewerbegebiet Storkower Straße gelegene ehemalige Bürohaus, das während der sogenannten „Flüchtlingskrise“ freigezogen und als Notunterkunft umgerüstet wurde, hat nun die GEBEWO – Soziale Dienste – Berlin gGmbH angemietet, um in der Kälteperiode obdachlosen Menschen Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten.

Ursprünglich war in dem Gebäude gleich hinter dem Jobcenter Pankow mal ein Teil der Verwaltung des Energieunternehmens Vattenfall, wie auch am Schriftzug über dem Eingang noch zu erkennen ist.

Auf vier Etagen stehen Drei-und Vierbettzimmer zur Verfügung.
Da sich die Unterkunft über mehrere Etagen erstreckt, besteht auch die Möglichkeit, seperate Übernachtungsmöglichkeiten für Frauen und und Familien anzubieten. Entsprechende separate Duschen und Toiletten sind ebenfalls vorhanden.

Es gibt Gemeinschaftsräume sowie im Keller Waschmaschinen und Trockner.
Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern sind dort auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer als Nachtwachen tätig.

Die Übernachtungseinrichtung bleibt bis zum 31. März, dem Ende der Kältehilfe-Saison geöffnet.

 

„Wir versuchen, hier so viel Normalität wie möglich zu etablieren“

Gespräch mit Guido Fahrendholz, Leiter der Notunterkunft Storkower Straße 133a

 

Das Haus stand ja offensichtlich schon länger her. Warum wurde es erst jetzt für die Unterbringung von Menschen „wiederentdeckt“?

Also den genauen Hergang, wie man letztendlich auf das Gebäude gekommen ist, weiß ich nicht. Ja, das Gebäude stand leer. Es gab die Ankündigung des Berliner Senats nach der letzten Wahl, 2.500 Sozialbauwohnungen entstehen zu lassen und den Wunsch 1.000 Plätze für die Kältehilfe zu stellen.
Bis zum Ende des vergangenen Jahres waren wir noch bei 800. Das heißt, sie konnten ihr Versprechen nicht halten.(*)Update

Moment mal, Sozialsenatorin Elke Breitenbach hatte doch Ende November verkündet, dass 1.200 Plätze zur Verfügung stehen?

Wir haben j e t z t 1.000. Kürzlich wurde in Alt-Moabit ein Heim aufgemacht mit 100 bis 120 Plätzen und nun kommt diese Einrichtung dazu. Damit sind es dann 1.000 Plätze.
Ich weiß das deshalb so genau, weil die Koordinierung durch die GEBEWO erfolgt.
(*)Update

Wie lange wurde gebraucht, das Haus herzurichten?


Wir bewirtschaften vier Ebenen dieses Gebäudes und haben für die Vorbereitungen rund einen Monat gebraucht.
Der Zuwendungsantrag des Bezirksamtes Pankow ist tatsächlich erst zwischen den Feiertagen bewilligt worden. Da haben wir hier aber schon gearbeitet und hatten gehofft, dass das auch alles so klappt – da ist die GEBEWO auch ganz schön in Vorleistung gegangen. Und wuns haben auch viele geholfen. Da ist in erster Linie zu nennen das LAF, das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, das uns mit Betten versorgt hat. Wir haben Matratzen bekommen als Spenden.
Viele Einrichtungsgegenstände, Bettwäsche, Handtücher und selbst Mülltonnen mussten irgendwie beschafft werden. Da muss man dann auch mit Unternehmen verhandeln, ob sie bereit sind, uns die Sachen gegen einen kleineren Obolus als Charity zu überlassen... - und so ist ein Monat dann verdammt wenig Zeit.

Nun ist das Haus hier ja ziemlich abgelegen, gibt es da für diejenigen, die einen Schlafplatz benötigen, nicht Probleme, die Unterkunft zu finden?


Erstmal gibt es ja die App „Kältehilfe“. Man wundert sich ja immer wieder darüber, aber eines der notwendigsten Werkzeuge obdachloser und wohnungsloser Menschen ist tatsächlich ein Smartphone. Prepaidkarte rein und dann können sie immer, wenn sie Hilfe brauchen Hilfe rufen: Rettungskräfte, Polizei und Feuerwehr – aber eben auch den Kältebus.
Die Informationen über die Kältehilfe laufen zum einen über die App auf dem Smartphone, im Internet und durch Druckerzeugnisse, wie sie wie hier und auch anderswo ausliegen und natürlich durch ganz viel Mundpropaganda.


Was erwartet die Menschen, die hier übernachten wollen?


Die Leute kommen hier rein und das erste ist, dass sie vorne ordentlich empfangen werden. Dann kontrollieren wir nach der Hausordnung ihre Habseligkeiten. Das machen wir nicht, um sie zu ärgern, doch wir möchten in diesem Haus keine Drogen, kein Alkohol, keine Waffen haben.
Dann gibt’s für die Besucher Bettwäsche und sie werden auf die Zimmer verteilt.
Sie bekommen ein Bett – und wenn ich von e i n e m Bett rede, dann meine ich e i n Bett und kein Doppelstockbett.
Sie können dann ihre Habseligkeiten abstellen, sich das Bett beziehen und dann auch duschen. Wir haben hier schöne Duschräume für beiderlei Geschlecht.
Danach bekommen die Leute eine kräftige warme Mahlzeit. Es gibt Aufenthaltsräume, man kann der Tischtennisplatte zu spielen und wir werden wahrscheinlich auch einen Fernseher aufstellen. Wir versuchen, hier so viel Normalität wie möglich zu etablieren.
Gegen 22 Uhr sagen wir den Leuten, dass es langsam Zeit wäre, ins Bett zu gehen. Das ist notwendig, weil wir um sechs Uhr anfangen zu wecken. Dann können sie langsam aufstehen und ihre Sachen langsam packen. Ein Frühstück gibt es auch und zwischen acht und neun Uhr müssen sie das Gebäude verlassen. Das ist eben der Unterschied zwischen einer Notübernachtung und einer nachhaltigen sozialen Hilfe.


Benötigt die Einrichtung jetzt auch noch Spenden und wenn ja, welcher Art sollten sie sein?


Der Sozialbereich braucht immer Spenden. Und ganz ehrlich: Die beste Spende ist immer noch die Finanzspende.
Denn da kann der Träger entscheiden, wo er diese Spende einsetzt. Das heißt, wenn Decken gebraucht werden, ist das ja sehr schön, wenn alle Leute Decken anbringen. Aber unterschiedlich großer Menschen haben unterschiedlich große Decken, die in unterschiedlichen Zuständen sind und das ist manchmal nicht kompatibel mit dem Anspruch an Sozialarbeit, die man hier leistet.
Da ist es dann besser, wenn Finanzmittel zur Verfügung stehen, mit denen dann zum Beispiel genau die Decken gekauft werden können, die benötigt werden.
Also ja, in jedem Falle und dann immerauf das Spendenkonto der GEWEBO. Und wenn man direkt für diese Einrichtung eine Spende leisten will, dann kann man als Verwendungszweck ja „Notunterkunft Storkower Straße 133a“ angeben.


Die Einrichtung bleibt aber nur bis Ende März bestehen?
Mit dem Ende der Kältehilfe ist dieses Projekt dann wieder gestorben. Das, was wir hier einen Monat lang vorbereitet haben, muss dann nach dem Ende der Kältehilfe auch wieder ausgeräumt werden.


(*)Update: Hier irrte Guido Fahrendholz. Wie die Koordinierungsstelle der Berliner Kältehilfe mitteilte, sind aktuell 1.200 Übernachtungsplätze verfügbar.
Die Liste mit der Aufstellung aller Notunterkünfte (Stand 7. Januar) ist hier abrufbar

 

Andreas Düllick (Koordinierungsstelle Kältehilfe) und Guido Fahrendholz vor der Notunterkunft Storkower Straße 133a

 

Hier gehts zur Spendenseite der GEBEWO

Hier gehts zur Facebookseite der Kältehilfe-Notunterkunft Storkower Straße 133a

 

KÄLTEHILFE-APP (iOS)

KÄLTEHILFE-APP (Android)

 

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail


No comments.

Kommentar schreiben

Social Media Auto Publish Powered By : XYZScripts.com