Verkehrsgutachten zu Krieger-Planung bringt wenig Klarheit | Prenzlberger Stimme

Verkehrsgutachten zu Krieger-Planung bringt wenig Klarheit

Box TorEs ist Wahlkampf, und da kann man schon mal über die Stränge schlagen: Der Pankower Abgeordnete Torsten Schneider (SPD) berichtet auf seiner Hompage, die Grünen wollten den Pankower Rangierbahnhof reaktivieren, was einen zusätzlichen Verkehr von bis zu 400 LKW am Tag bedeuten würde. Woher er die Zahl hat, ist nicht ersichtlich.

Wieviel zusätzlichen Verkehr das von Möbelhaus-Unter-
nehmer Kurt Krieger auf dem Gelände geplante und von Schneider befürwortete Shopping-Paradies erzeugen wird, wollte der BVV-Ausschuss für öffentliche Ordnung, Verkehr und Verbraucherschutz auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause zu ergründen.

HOFFMANN-LEICHTER-Projektleiter Siegmar Gumz (Mitte): Verkehrsgutachten mit schwer nachvollziehbaren Annahmen

Vorgestellt wurde ein von Krieger in Auftrag gegebenes Ver-
kehrsgutachten (siehe Download unten) der HOFFMANN-LEICHTER Ingenieurgesellschaft mbH, das die Auswir-
kungen von Kurt Kriegers Vorhaben auf die verkehrliche Situation im Umfeld des einstigen Rangierbahnhofs beleuchten sollte.
Bei der Prognose des künftigen Kraftverkehrsaufkommens stellte Gutachter Siegmar Gumz den sogenannte Prognose-Nullfall (Aufkommen ohne die Krieger-Planungen) dem Prognose-Planfall (Aufkommen nach der Realisierung der Krieger-Planungen) gegenüber und kam zu dem Schluss, das die von der Krieger-Gruppe geplanten Möbelmärkte und das großdimensionierte Einkaufszentrum nur „etwas höhere Verkehrsbelastungen als im Prognose-Nullfall“ hervorrufen werden.

Kurt Krieger (bei der Eröffnung der ''Infobox''):
Zu wenig Kunden eingeplant?

So wird zum Beispiel für die Prenzlauer Promenade zwischen Granitz- und Kissingenstraße ein von Plus von 2.500 Fahrzeugen am Tag vorhergesagt, in der Berliner Straße sollen es zwischen der Granitz- und der Florastraße sogar nur 500 Autos sein, die auf Grund des neuen Einkaufsgebietes zusätzlich übers Pflaster rollen.
Der Grund für die äußerst günstigen Vorhersagen scheint bei einigen wenig belastbaren Ausgangsdaten zu liegen. So äußerte Ausschussmitglied Roland Schröder seine Verwun-
derung darüber, dass das Gutachten von nur 12.000 Kunden am Tag ausgeht. Schröder: „Das ALEXA am Alexanderplatz, das die gleiche Verkaufsfläche wie das am Rangierbahnhof geplante Shoppingcenter besitzt, hat

Gutachter Siegmar Gumz:
Kundenzahlen beruhen auf GfK-Umsatzprognose

täglich mindestens 40.000 Kunden, und selbst das um einiges kleinere Pankower Rathauscenter wird am Tag von bis zu 25.000 Kunden besucht.“
Mit den im Verkehrsgutachten aufgeführten Kundenzahlen, so Schröder weiter, würden sich die vorgesehenen Verkaufseinrichtungen wohl kaum rentieren.
Siegmar Gumz erklärte, die von ihm dargebotenen Zahlen beruhten auf einer ebenfalls von Kurt Krieger beim Markt-
forschungsunternehmen GfK in Auftrag gegebene Studie (siehe Download). Die dort angegebenen Umsatzerwar-
tungen seien mittels eines bestimmten Schlüssels hochge-
rechnet worden und hätten so zu der dem Ausschuss vorgelegten Prognose der Kundenzahlen geführt.

M2-Verlängerung:
Ohne Verknüpfung der Tram-Linien unwirtschaftlich

Das GfK-Gutachten steht in Konkurrenz zu einem Gutachten des Senats (siehe Download), der Kriegers Shopping-Mall-Pläne nicht befürwortet.

Kritik übten Ausschussmitglieder auch an der ihrer Meinung nach mangelhaften Darstellung der künftigen Straßnbahn-
trassen. Ausschussvorsitzender Wolfram Kempe bemängelte hier vor allem die fehlende Verknüpfung der nördlich des Rangierbahnhofs gelegenen Straßenbahnlinien mit jenen, die sich südlich des Areals befinden. Ohne eine solche Ver-
knüpfung sei die Tram-Erweiterung aber nicht wirtschaftlich zu betreiben.

 

 

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