Warum Berlin Orte wie den Mauerpark braucht und warum eine Bebauung deshalb vermieden werden sollte | Prenzlberger Stimme

Warum Berlin Orte wie den Mauerpark braucht und warum eine Bebauung deshalb vermieden werden sollte

auverkDer Park jetzt

Der Mauerpark polarisiert. Die einen mögen ihn gar nicht, die anderen lieben diesen Ort. Keinem aber ist der Park egal. Nur wenige Orte lösen so leidenschaftliche Debatten aus, wie die, die aktuell um den Mauerpark geführt wird.

Das das so ist, ist ein gutes Zeichen. Berlin braucht Orte wie den Mauerpark, denn sie machen ein gutes Stück der Attraktivität unserer Stadt aus. Gerade auch, weil nicht alles im Mauerpark wie gewohnt und ohne Probleme läuft. Gerade deshalb, weil es so viel gibt, über das man sich aufregen kann. Und selbstverständlich gerade auch deshalb, weil es so viel gibt, über das man sich unendlich freuen kann. Spannungsfelder wie der Mauerpark machen unsere Stadt so interessant und anziehend. Und deswegen muss der Mauerpark mit seinem jetzigen Charakter erhalten bleiben.

Jetzt bin ich Politiker und weiß, dass – wenn wir den Park erhalten wollen – sich einiges ändern muss.

1. Der Park ist übernutzt. Bis zu 40.000 Menschen drängeln sich hier jedes Wochenende, wenn das Wetter gut ist. Das hält auf Dauer kein Ort dieser Größe aus. Der Park muss daher größer werden und zwar viel größer. Daran führt kein Weg vorbei. Es ist begrüßenswert, dass sich so viele hierfür einsetzen!

2. Der Park ist – zumindest ab Sonntag Abend – zu schmutzig. Die Last der Müllentsorgung hat vor allem der Bezirk Pankow zu tragen. Ein erheblicher Teil des Pankower Budgets für die Reinigung von Grünanlagen muss hier eingesetzt werden. Das wird auf Dauer nicht so bleiben können. Das wäre auch nicht gerecht, denn auch die Nutzer anderer Parkanlagen haben ein Recht auf saubere Grünflächen. Also müssen Mittel und Wege gefunden werden, wie man die Sauberkeit im Park in Zukunft sicherstellen und vor allem finanzieren kann. Dabei muss sicher auch an einen Beitrag der Nutzer und der Gewerbetreibenden vor Ort gedacht werden. Dass diejenigen, die vom Park profitieren sich auch an Kostenlasten beteiligen müssen, halte ich für selbstverständlich.


Die vorgelegten Pläne aus Mitte

All das kann aber nicht heißen, dass wir eine Bebauung der potentiellen Erweiterungsflächen des Parks zulassen dürfen. Die jetzt aus dem Bezirk Mitte vorgelegten Pläne sollten daher so nicht verwirklicht werden:

Richtig an den Plänen ist aus meiner Sicht der Ansatz, den Gewerbetreibenden vor Ort auf Dauer Planungssicherheit zu geben. Ob im Wege eines Ankaufs oder einer Anpachtung durch die Unternehmen ist zweitrangig. Durch die Eröffnung einer dauerhaften Perspektive für die Gewerbetreibenden werden jedenfalls Einrichtungen unterstützt, die schon heute die Parkkultur aktiv mitprägen. Der Mauersegler und das Schönwetter sind Publikumsmagneten und erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch der wöchentliche Flohmarkt und der Blumenhandel gehören fest zum öffentlichen Erscheinungsbild des Mauerparks.
Die Gewerbetreibenden können außerdem an den Wochenenden die fehlende Infrastruktur (Toiletten, Mülleimer, Getränkeversorgung) unterstützen und wesentlich mittragen. In Gesprächen haben sie ihre Bereitschaft hierzu bekundet.

Falsch an den Plänen ist jedoch die vorgesehene massive Bebauung auf den Flächen nördlich des Gleimtunnels. Der CDU-Ortsverband Schönhauser Allee hat sich schon frühzeitig gegen eine Bebauung dieser Flächen ausgesprochen. Einerseits ginge hiermit eine wichtige Parkerweiterungsoption für immer verloren. Einen Rückbau werden wir alle niemals erleben. Andererseits glauben wir nicht daran, dass sich Wohnen in direkter Parkrandlage und der jetzige Charakter der Parknutzung vertragen. Mit einer Bebauung würde man sehenden Auges in neue Nutzungskonflikte hineinsteuern. Das wäre nicht klug und würde am Ende den Mauerpark als Berliner Anziehungspunkt sicher gefährden.


Gemeinsam für einen größtmöglichen Park

Die geplante massive Bebauung nördlich der Gleimstrasse wird von einer breiten Mehrheit der Menschen abgelehnt. Zahlreiche Vereine und Bürgerinitiativen engagieren sich seit vielen Jahren für eine größtmögliche Parkerweiterung. Ob die Freunde des Mauerparks, der Gleimviertelverein (dem ich selbst angehöre), die Stiftung Weltbürgerpark oder die Initiative „Mauerpark fertig stellen“, sie alle setzen sich mit viel Herzblut für den Mauerpark ein. Diese Gemeinsamkeit sollte genutzt werden, um wieder gemeinsam für einen größtmöglichen Park einzutreten und mit einer einheitlichen Stimme aufzutreten. Dabei ist es mir vollkommen egal, wer hier zuerst was erkannt hat und wer alles schon immer geahnt oder gewusst hat. Wichtig ist doch, dass wir – hoffentlich noch rechtzeitig – alle gemeinsam an einem Strang ziehen.


Schlussbemerkung

Zum Abschluss gestatten Sie mir ein ehrliches Wort als Mauerparkanwohner: Manchmal nervt mich der Mauerpark an Sonntagen auch. Dann finde ich ihn zu laut, zu dreckig, zu voll. Ich setze mich dann oft einfach ins Auto und fahre in den Pankower Norden oder raus nach Brandenburg. Dort genieße ich dann stundenlang die Ruhe. Das ist herrlich. Das tut einfach gut. Aber dann, auch ganz ehrlich, dann fahre ich immer wieder gerne zurück ins Stadtzentrum. Und immer bin ich froh, wenn ich wieder zu Hause bin. Oft ist der Park auch dann noch voller Menschen und laut. Ich bin jedes Mal aber wieder unfassbar froh und dankbar, direkt an einem solchen Ort leben zu dürfen. „Hier spielt die Musik!“, sage ich mir dann, „Und ich bin dabei!“ Großstadt eben.

 

Stephan Lenz ist Mitglied der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Schönhauser Allee.

 

 

 

 

 

 

Weitere Debattenbeiträge:

Michail Nelken: “Absehbar! – Rot-Schwarzer Betoncoup am Mauerpark”

Heiner Funken: “Schlimmer gehts (n)immer!”

Klaus Mindrup: “Adieu grünes Band”

 

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