Stille Straße: Sonntägliches Familientreffen | Prenzlberger Stimme

Stille Straße: Sonntägliches Familientreffen

Nuriye Cengiz war auch da. Die mittlerweile stadtbekannte Kreuzberger Seniorin, die sich öffentlich gegen die Vertreibung aus ihrer Wohnung am Maybachufer wehrt, kam am Sonntag gleich vielen anderen in die Stille Straße 10.
In einem „Aufruf zum Miteinander“ hatten die Besetzerinnen und Besetzer der Seniorenfreizeitstätte zum gegenseitigen Kennenlernen eingeladen. Der Garten des Grundstücks war gut besucht, so zwischen sechzig und siebzig Leute dürften da an diesem sommerheißen Sonntag versammelt gewesen sein.
Mit dabei auch die jungen Menschen vom Kurt Lade Klub aus der nahe gelegenen Grabbeallee. Hier war ein Kennenlernen

nicht mehr nötig, denn die Jugendlichen gehören seit dem Beginn der Besetzung zu den aktiven Unterstützern der aufmüpfigen Rentner.
Sie hatten vor den Treffen eine kleine Demo organisiert und waren nun mit den entsprechenden Transparenten erschienen.

Es gab Kaffee und Kuchen, Kinder spielten im Gras – und man hatte den Eindruck: Hier findet ein Familientreffen statt. Und zwar einer Großfamilie.

Am hinteren Ende des Grundstücks waren Pappwände aufgestellt, Besetzerin Brigitte Klotsche hantierte davor etwas ungelenk mit einer Farbspraydose. Ein junger Mann um

Zwanzig kommt hinzu und zeigt ihr, wie sie Farbe auf die Pappe bekommt, ohne dabei ihre Bluse neu zu colorieren.

„Generationsübergreifend“ nannte Pankows Sozialstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz einst ihr Ansinnen, über achtzigjährige Seniorinnen in eine Kita zu verfrachten, auf dass sie dort auf Kinderstühlchen ihre Gymnastikübungen absolvierten. An diesem Sonntagnachmittag wird der missbrauchte Begriff nun wieder entdiskreditiert.

Politik war auch vor Ort – in Person von Bundestags-
vizepräsidentin Petra Pau (DIE LINKE).

Von den Bezirkspolitikern hingegen war niemand erschienen. Wie erzählt wurde, wäre die seit kurzem für das Grundstück Stille Straße 10 zuständige Stadträtin Christine Keil durchaus besuchswillig gewesen, sei aber durch einen entsprechenden Bezirksamtsbeschluss daran gehindert worden.

Sollte dies tatsächlich zutreffen… – Kindergarten!

 

 

 

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