Mehr als 200 Pankower pfiffen 15 Nazis aus | Prenzlberger Stimme

Mehr als 200 Pankower pfiffen 15 Nazis aus

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Nicht mal zwanzig Teilnehmer zummengekriegt

Nicht mal zwanzig Teilnehmer zummengekriegt

Die zwanzig Teilnehmer, die sie für ihre Kundgebung gegen Flüchtlinge und alles andere “Nichtdeutsche” (Slogan: “Für ein deutsches Deutschland”) angemeldet hatte, brachte die NPD nicht ganz zusammen. Dafür begann die Beschallung der Kreuzung Mühlenstraße/ Ecke Breite Straße etwas früher als angekündigt. Die allerdings wurde in der ersten halben Stunde des Aufzuges immer wieder unterbrochen – Lautsprechertechnik und Nazis lagen das eine ums andere Mal miteinander im Clinch.

Auf der anderen Seite der Breite Straße, vor dem Rat-
haus-Center, hatten sich anfangs sechzig bis siebzig Menschen, deren Zahl sich während des Schauspiels

Lautstarker Protest: bis zum Ende der Veranstaltung pfiffen über 200 Pankower auf die kundgebenden Nazis

Lautstarker Protest: Bis zum Ende der Veranstaltung pfiffen über 200 Pankower auf die kundgebenden Nazis

ständig erhöhte, Aufstellung genommen, um immer dann, wenn der Lautsprecher seinen Dienst wieder aufnahm, entweder laut in Sprechchören ihren Protest zu formulieren oder schlicht die mitgebrachten Lautwerkzeuge wie Trillerpfeife, Trommeln oder Glocken in Betrieb zu nehmen.

Wesentliches wurde dabei nicht übertönt.

Denn wer sich von der selbsternannte nationalen Elite zu-
mindest eine halbwegs intelligente Demagogie erhofft haben sollte, wurde bitter enttäuscht. Der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke sowie ein weiterer Redner brachten lediglich die alten, durchgekauten Sprüche zum Besten, die auch nach der hundertsten Wiederholung nicht wahrer wurden.

NPD-Chef Schmidtke: Tumb und armselig

NPD-Chef Schmidtke: Intellektfreie Hetze

Die für jeden nachprüfbare Unwahrheit, dass Deutschland welt- oder auch bloß europaweit die meisten Flüchtlinge aufnähme, wurde beispielsweise ebenso wiederverwertet, wie die groteske Behauptungen, dort, wo Flüchtlingsheime eröffnet werden, verwahrlost kurz darauf die ganze Gegend. Auch ein alter Schwindel: „Asylanten werden wie Privatpatienten versorgt“.
Und, ja natürlich: Flüchtlinge schleppen Seuchen ein, denn deren Impfstatus sei so schlecht.

Kurzum: Pure und zudem höchst dämliche Hetze – und man fragte sich schon, warum diese bemerkenswerten Figuren offenbar alles daran setzen, das Klischee vom regelmäßig minderbemittelten Nazi in aller Öffentlichkeit so nachhaltig zu zementieren…

Gegendemo Mühlenstraße:  500 Meter vor der Nazi-Kundgebung war Schluss

Gegendemo Mühlenstraße:
500 Meter vor der Nazi-Kundgebung war Schluss

Während das Schauspiel an der Breite Straße bereits im vollen Gange war, trafen sich vor dem Flüchtlingsheim Demonstranten der SPD und der Partei DIE LINKE, um ebenfalls gegen das NPD-Theater zu protestieren.
Doch 500 Meter vor der Breite Straße stoppte die Polizei den auf rund 100 Teilnehmer angewachsenen Zug.
Die Mehrzahl der Demonstranten begab sich daraufhin über Seitenstraßen zum Ort des Geschehens. So standen den fünfzehn Nazis schließlich über zweihundert Protestierer gegenüber.

Kurz nach halb Vier, war die Schau zu Ende.
Besondere Vorkommnisse: Keine.

Allerdings wurde deutlich, dass das Pankower Pflaster für Nazis verloren ist. 15 zu 200+. Deutlicher geht’s nicht.

 

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