Schwund bei Straßenbäumen wird immer größer | Prenzlberger Stimme

Schwund bei Straßenbäumen wird immer größer

gefällter Baum

 

Die Entwicklung zieht sich bereits über Jahre hin: Stück für Stück verliert der Bezirk sein Straßengrün. Die Gründe: Fehlendes Geld und Mangel an Personal. Ein Ende des Schwunds ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Auf Grund des hohen Durchschnittsalters der Pankower Straßenbäume könnten die Verluste in absehbarer Zukunft noch größer werden.
 
BaumstumpenWurden im Jahr 2012 zwar auch schon 678 Straßenbäume abgeholzt, dafür jedoch mit 327 Neupflanzungen knapp die Hälfte des Einschlags wieder “aufgeforstet”, so standen im vergangenen Jahr 567 gefällten Straßenbäume und nur noch 100 Neupflanzungen gegenüber. Das geht aus einem Bericht des Bezirksamtes auf eine Kleine Anfrage des Bezirksverord-
neten Cornelius Bechtler (Bündnis 90/Die Grünen) hervor. (siehe Download unten)

Zum Vergleich: Im Jahr 2011 wurden im Bezirk 605 Bäume gefällt und immerhin noch 450 nachgepflanzt.

Gespendeter Baum - strahlender Stadtrat  Foto: BA Pankow

Gespendeter Baum – strahlender Stadtrat Foto: BA Pankow

Bemerkenswert ist der Umstand, dass der überwiegende Teil der Jungbäume durch Bürgerspenden seinen Weg an den Straßenrand gefunden hat.
So wurden im Jahr 2012 genau 200 Straßenbäume mit Mitteln der Senatskampagne „Stadtbäume für Berlin“ in den Boden gebracht worden. Bei der Kampagne, mit der das Land Berlin bis 2017 10.000 Bäume finanzieren will, steuern Bürger 500 Euro für einen Baum bei. Die restlichen 700 Euro der rund 1.200 Euro teuren Gewächse kommen aus der Landeskasse.
Weitere zwölf Straßenbäume wurden 2012 durch Privat-
spenden finanziert. Zehn Neupflanzungen resultierten aus Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, 105 Bäume konnten im Rahmen von Neubaumaßnahmen ersetzt werden.

jungbaum sredzkiIm vergangenen Jahr sah es ganz dünne aus. Da wurden nur zehn Straßenbäume aus Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, 72 im Rahmen von Neubaumaßnahmen und 18 aus privater Hand gepflanzt.

Im Frühjahr 2014 kamen immerhin schon 150 Bäume aus Mitteln der Stadtbaumkampagne hinzu, vier weitere wurden privat gespendet und auch der Bezirk steuerte weitere neun Bäume bei. Wieviel in diesem Jahr bereits gefällt wurden, ist dem Bericht jedoch nicht zu entnehmen.

Aktuell sind im Bezirk Pankow 44.272 Straßenbäume auf öffentlichem Straßenland registriert.
Die Zahl variiert von Jahr zu Jahr, weil es Flächenab- und -zugänge des öffentlich gewidmeten Straßenlandes (z.B. durch Kauf oder Veräußerung) gibt, die dann die Statistik beeinflussen.

 

Geld und Personal fehlen

Im Jahr 2013 standen dem Bezirk Pankow für die gesamte Grünflächenpflege 1,4 Millionen Euro zur Verfügung. Davon wurden 800.000 Eurofür Baumpflegemaßnahmen zur Erhaltung der Verkehrssicherungspflicht und 30.000 Euro für die Jungbaumbewässerung ausgegeben. Weitere 300.000 Euro für Baumpflegemaßnahmen zur Erhaltung der Verkehrssicherungspflicht konnten ab Juli 2013 nicht mehr abgedeckt werden.

"Zunehmendes Durchschnittsalter des Bestandes"

„Zunehmendes Durchschnittsalter des Bestandes“

Für 2014 stehen immerhin 1.8 Millionen Euro zur Verfügung – doch die zusätzlichen Mittel sollen nicht zur Vergrößerung des Baumbestandes, sondern zum erhalt und zur Pflege von Kinderspielplätzen genutzt werden.

In dem Bericht wird festgestellt dass bei “zunehmendem Durchschnittsalter des Bestandes ein seit Jahren stetig anwachsendes Defizit” von derzeit 550.000 Euro für den Bereich der Baumpflege besteht.
Um für jeden abgeholzten Baum einen neuen nachzupflan-
zen würden jährlich rund 430.000 Euro und für laufende Baumpflege rund 950.000 Euro benötigt.

Aufgrabungen

Aufgrabungen nur stichpunktartig kontrolliert

Dringend erforderlich, so das Bezirksamt, seien zwei zusätzliche Ingenieurstellen für Ausschreibung, Auftragsvergabe und -kontrolle sowie für eine fachliche Überwachungen von Aufgrabungen, Bearbeitung von Sondernutzungsanträgen.
Allein in den Monaten Februar bis Mai 2014 waren beim Bezirksamt 420 Anzeigen von Aufgrabungen im Straßenland für Leitungsarbeiten eingegangen, die mangels Personal nur stichprobenartig überprüft werden konnten.

 

 

 

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2 Kommentare zu “Schwund bei Straßenbäumen wird immer größer”

  1. dafür soll es jetzt schnell mehr beton geben und dafür gibt es noch prämien…http://teddyzweinullblog.wordpress.com/2014/06/10/betonlobby-macht-druck-kirchner-als-vorreiter/

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  2. PH

    Jun 24. 2014

    Sehr schön, 800000 Euro für Baumpflegemaßnahmen!
    Da läßt sich eine Menge Geld verdienen. Die beauftragten Firmen werden schon wissen, wie sie die Dringlichkeit ihrer Arbeit deutlich machen.
    Schaut man den „Baumpflegern“ bei der Arbeit zu, sieht man oft genug Verstümmelung von Bäumen, z.B. abgesägte Starkäste, wo die Schnitstellen durchweg nicht behandelt werden. Dort sind weitere Krankheiten und Absterben vorprogrammiert. So haben die Firmen weiter Arbeit, bis der letzte Baum gefallen ist..
    Wegesicherungspflicht ist auch so ein Zauberwort, das zum sofortigen Handeln verpflichtet.
    In Franz.-Buchholz am Rupertweg wurde im Frühjahr auf einer Freifläche eine große Weide im besten Zustand gefällt. Sie diente Kindern als Kletterbaum, vermutlich war sie deshalb ein Sicherheitsrisiko.

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