Mauerpark: Mehr Wohnungen, Mufflons in freier Wildbahn und ein Vorgeschmack aufs Abbügeln | Prenzlberger Stimme

Mauerpark: Mehr Wohnungen, Mufflons in freier Wildbahn und ein Vorgeschmack aufs Abbügeln

spallek

 

Rund 450 Wohnungen plus 200 „Studentenappartements“, die Erkenntnis, dass sich öffentlicher Wohnungsbau trefflich als Schallschutzwand nutzen lässt sowie ein paar Sticheleien gegen das Pankower Bezirksamt – das war die Ausbeute einer Pressekonferenz, zu der Carsten Spallek, Stadtentwicklungsstadtrat des Bezirks Mitte, zum Thema Bebauung hinterm Gleimtunnel geladen hatte. Baubeginn soll bereits im ersten Halbjahr 2015 sein.

 
faltblattErneut wurde demonstriert, wer in diesem Verfahren Koch und wer nur Kellner ist.
Anfang dieser Woche ließ die Groth-Gruppe – Eigentümer des Areals nördlich des Gleimtunnels – in Prenzlauer Berg und im Wedding 60.000 Flyer in die Briefkästen werfen (auf Weddin-
ger Seite auch in türkischer Sprache), auf dem die konkre-
tisierten Pläne der Groth-Gruppe unter die Leute gebracht wurden.
Am Freitag dann durfte dann Mittes Bezirksstadtrat Carsten Spallek nachziehen und seinerseits wiederholen, was die Groth-Gruppe bereits Tage zuvor verkündet hatte. Folgerichtig lagen bei Spalleks Pressetermin auch lediglich Restbestände aus Groths Postwurf-Aktion als Informationsmaterial auf dem Tisch.
 

Mehr Wohnungen auf gleichgroßer Fläche, Häuserriegel als Schallschutzwand

Nimmt man die „Studentenappartements“ – allesamt wohl 1-Zimmer-Gelasse – und die „normalen“ Wohnungen zusammen, liegt Anzahl der nunmehr 650 geplanten Wohnungen um einiges höher, als im Februar 2013 von Groth angekündigt Seinerzeit hatte von 520 bis 530 Wohneinheiten gesprochen. Rund die Hälfte werde vermietet, der Rest als Eigentum verkauft.

hausAuch die Geschossfläche von insgesamt 54.000 m² hat sich dabei nicht verändert. Mittes Bezirksstadtrat Spallek beeilte sich, darauf hinzuweisen, dass der – unter bemerkenswerten Umständen zustande gekommene – „Mauerparkvertrag“ sogar 58.000 m² zulasse.

Verändert hat sich sich hingegen die Aufstellung der Bauten.
War zum Norden hin einst eine aufgelockerte Bebauung vorgesehen, so soll es nun eine Art Riegel gebe. Der Grund: Ein Lärmschutzgutachten habe festgestellt, dass die vom Bahngelände herüberkommenden Geräusche bis auf die Innenhöfe und damit zu den teuren (Eigentums-)Wohnungen dringen. Eine geschlossene Häuserfront soll dem Bahnver-
kehrslärm den Weg versperren.
Eigentlich logisch, dass es jenem Lärmschutzriegel zugedacht ist, die mitpreislich sozial einigermaßen verträglichen Wohnungen (Groth schreibt in seinem Faltblatt von 6,50 Euro/m²) beherbergen soll. Errichten wird sie übrigens nicht die Groth-Gruppe, sondern eine bisher noch ungenannt gebliebene städtische Wohnungsbaugesellschaft.

 

Mufflons in freier Wildbahn?

Ach ja, der Mauerparkvertrag: In ihm wurde unter anderem festgelegt, dass das Land Berlin knapp fünf Millionen an Strafgeld an den einstigen Eigentümer CA Immo zahlen muss, wenn die Bebauung nördlich des Gleimtunnels nicht zustande kommt. Auf die Frage der Prenzlberger Stimme, ob das Geld auch denn fällig werde, wenn ein Gericht den Bebauungsplan stoppt, sah sich der Stadtrat auf der sicheren Seite: Bezirk und Land wären in diesem Falle ihren Verpflichtungen zur Aufstellunge und und Berabschiedung des B-Planes ja dennoch nachgekommen, so dass Forderungen zur Strafzahlungen nicht zu erwarten seien. Vor laufender Kamera (siehe Video-Interview unten) äußerte sich der Stadtrat in dieser Frage bedeutend zurückhaltender.

Muffelwildjäger auf der Pirsch im Mauerpark

Muffelwildjäger auf der Pirsch im Mauerpark

Wie bei solchen Bauvorhaben üblich, kamen auch die „Träger öffentlicher Belange“ zu Wort. Sie sollen sicher-
stellen, dass deren Interessen bei der Errichtung der Bauten nicht beeinträchtigt werden.
Die Stellungnahme des Bezirksamtes Pankow, so stichelte Spallek, hätte ihn jedoch einigermaßen verwundert. So seien darin angeblich auf Prenzlauer Berger Seite lebende Tierarten erwähnt worden, von denen er zuvor nie etwas gehört habe.
Zum Beispiel Mufflons.
Und das nicht etwa im Bereich der Jugendfarm Moritzhof, sondern sozusagen auf freier Wildbahn. Die Stellungnahme des Nachbarbezirks sei wohl eher von politischenInteressen, denn von sachlichen Motiven geprägt gewesen.

 

Einheitliches Parkmanagement vorerst auf Probe

grillenTrotz der Nicklichkeiten zwischen den Bezirken wird es wohl zu einer einheitichen Mauerparkverwaltung unter Pankower Regie kommen.

Carsten Spallek berichtete von Fortschritten in den Gesprä-
chen über ein mögliches einheitliches Parkmanagement. Bisher gelten bisher auf Weddinger und auf Prenzlauer Berger Seite unterschiedliche Parkordnungen.

So ist im östlichen Bereich das Grillen gestattet, während Spallek das zubereiten von Speisen mittels glühender Holz-
kohle in seinem Verwaltungsbereich strikt untersagt. Solange er dort zuständig sei, so der Bezirksstadtrat, werde dies auch so bleiben. Ein generelles Grillverbot sei aber keine Bedingung für die Abgabe der Verwaltung des Mauerparks an den Bezirk Pankow. Allerdings sprach sich der Stadtrat dafür aus, das einheitliche Parkmanagement zunächst auf ein oder zwei Jahre zu begrenzen: „Wir wollen erst mal sehen, wie das so läuft.“

 

Öffentliche Auslegung im November – geplanter Baubeginn: 1. Halbjahr 2015

Die Auslegung des Bebauungsplans soll laut Carsten Spallek irgendwann im November erfolgen. Ein genaues Datum steht noch nicht fest. Er machte deutlich, dass er mit einer größeren Zahl von Einwendungen rechne. Damit liegt er sicherlich nicht falsch. Denn bei einer vorangegangenen Auslegung im Jahr 2010 gab es insgesamt 2.649 „schriftlichen Äußerungen“ – bis auf ein oder zwei argumentierten alle gegen eine Bebauung. Eingang in die damalige Planung fand allerdings nicht ein einziger Einwand.

 

Kleiner Vorgeschmack

Wie das Abbügeln von Kritik funktioniert, davon konnten sich Vertreter von Bürgerinitiativen schon ein Bild machen. Die waren ebenfalls zu Spalleks Pressekonferenz erschienen – und sollten nach dem Willen des Hausherrn den Raum verlassen, noch bevor die die Veranstaltung überhaupt begonnen hatte. Spallek ließ sich jedoch durch anwesende Pressevertreter umstimmen und hängte nach der Pressekonferenz sogar noch eine geschlagene Stunde hinten dran, um sich mit den Mauerpark-Engagierten zu unterhalten. Das Ergebnis allerdings war ernüchternd. Spallek erklärte sich das eine aufs andere Mal für den Gang der Dinge nicht zuständig („Die Bezirksverordneten haben das entschieden“) um schließlich klarzumachen: „Einen Volksentscheid über Bebauungspläne gibt es in Deutschland nicht.“ Gut, dass man mal drüber geredet hat.

 

Interview mit Bezirksstadtrat Carsten Spallek (Bezirksamt Mitte, CDU)

 

 

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