Wohnungsneubau: Die GEWOBAG ließ trommeln | Prenzlberger Stimme

Wohnungsneubau: Die GEWOBAG ließ trommeln

Trommeln

 

An der Grell-/ Ecke Gubitzstraße ging es gestern (Montag) Mittag laut her. Auf dem bisher noch unbebautem Grundstück machte sich “Hardcore-Percussion”-Band “Bando” auf ihren Stahlfässern zu schaffen. Engagiert wurden die Prenzlauer Berger Trommler von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GEWOBAG, die hier die Grundsteinlegung für ein Wohnhaus mit 51 Wohnungen zelebrierte.

 

Anteil der GEWOBAG-Wohnungen für sozial schwächere sinkt

Vor der lautstarken Zeremonie an der Grellstraße hatte das Unternehmmen auf den Dachboden des Wasserturms an der Knaackstraße geladen, um dort in Anwesenheit von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) seine Neubaupläne vorzustellen.

0210.000 Wohnungen will die GEWOBAG in den kommenden zehn Jahren bauen – Kostenpunkt zwei Milliarden Euro. Darüber hinaus sind bis 2025 500 Millionen Euro für den Ankauf von weiteren 4.500 Wohneinheiten vorgesehen. 8.000 Wohnungen wurden bereits zwischen 2012 und 2015 von der Gesellschaft erworben.

In Prenzlauer Berg sollen bis Ende 2017 neben dem Haus in der Gubitzstraße 50 sieben weitere Wohngebäude errichtet werden.
Die Einstiegsmieten bei den Neubauten sollen bei 6,50 Euro pro Quadratmeter netto kalt liegen, 25 Prozent der neu gebauten

Snezana MichaelisWohnungen soll für Inhaber eines Wohnberechtigungscheins (WBS) vorgehalten werden. Das entspricht zwar den Vorgaben des kürzlich vom Senat beschlossenen „Berliner Modells der kooperativen Baulandentwicklung“, da aber nach Angaben der GEWOBAG derzeit 35 Prozent ihres Wohnungsbestandes für WBS-gebunden sind, dürfte der Anteil der Wohnungen für sozial schwächere im Laufe der Jahre prozentual zurückgehen.

Die Frage der Prenzlberger Stimme, wieviel Wohnungen bei der GEWOBAG derzeit für Transferleistungsempfänger (ALG 2, Aufstocker, Sozialhilfe Grundsicherung) vorgehalten werden und wieviel Wohnungen für diesen teil der Bürger in den Neubauten zur Verfügung stehen werden, wusste GEWOBAG-Vorstandsfrau Snezana Michaelis nicht zu beantworten.
 

Senator Geisel will verdichten

Auf Grund des immer schnelleren Bevölkerungswachstums und der damit verbundenen Bautätigkeit steigen auch die Grundstückspreise rapide an. Eine Möglichkeit, die Immobilienpreisentwicklung zu dämpfen und zugleich den städtischen Wohnungsbaugesellschaften Wohnraumzuwachs zu moderaten Kosten zu überlassen, wäre die Ausübung des nach dem Baugesetzbuch möglichen Vorkaufsrechtes der Kommunen zum Verkehrswert – der praktisch immer unter dem aktuellen Marktwert liegt.

geiselWarum Berlin diese Möglichkeit bisher so gut wie gar nicht genutzt hat, wusste der Senator nicht wirklich zu beantworten. Es sei “kompliziert”. Derzeit befände man sich bei Häusern in der Großgörschen-/Katzlerstraße in Tempelhof-Schöneberg in einem solchen Verfahren. Dagegen hat nun der bisherige Eigentümer – die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) – geklagt. Auch in der Auseinandersetzung um das Dragoner-Areal in Kreuzberg soll nun vom Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht werden.

Um der Mietpreisentwicklung Herr zu werden, will Andreas Geisel verstärkt auf die innerstädtische Verdichtung setzen. Ängste, dass die Stadt dadurch den Charme einer Betonburg erhalten könnte, teilt der Senator nicht: Berlin bestehe zu vierzig Prozent aus Grünflächen. Wenn man die Wälder um die Müggelberge und den Grunewald dazu zählt, mag das zutreffen – dass jedoch Innenstadtgebiete wie Prenzlauer Berg bereits jetzt die Vorgaben des Senats bezüglich des Vorhalts an Grünanlagen weit verfehlen, schien bei der seltsamen Prozentrechnung keine Rolle zu spielen. Auch wo die Flächen für die dann zusätzlich benötigte soziale Infrastruktur (Schulen, Kitas, Spielplätze etc.) herkommen soll, erklärte der Senator für Stadtentwicklung und Umwelt nicht.

grund1Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne, dessen Bezirk mit eben jenen Problemen schon länger zu kämpfen hat, machte dann bei der Grundsteinlegung für das Eckhaus an der Grellstraße auch keinen Hehl daraus, dass er die Lösung des Wohnungsproblems eher im großflächigen Wohnungsbau statt in der Lückenfüllung sieht – weil dort die soziale Infrastruktur samt Grün- und Erholungsflächen gleich mitgeplant und gebaut werden kann.

Aber da war Senator Andreas Geisel schon auf dem Weg zu seinem nächsten Termin

 

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