Dreieckplatz: „Bloß keine Fahrradstraße…“ | Prenzlberger Stimme

Dreieckplatz: „Bloß keine Fahrradstraße…“

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Als sich die „Planungswerkstatt“ zum Dreieckplatz an der Krügerstraße dem Ende zuneigte, hatten sich nicht nur draußen am Himmel die Wolken verzogen. Auch in der Aula der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule war die Wetterlage bedeutend freundlicher, als bei der Informationsveranstaltung im November vergangenen Jahres.

 Marlene Marlow, Carsten Steg - BI Dreickplatz

Marlene Marlow, Carsten Steg – BI Dreickplatz

Damals fühlten sich die Anrainer des Platzes regelrecht überfahren.
Und so hatten sich unmittelbar nach der verunglückten Informationsveranstaltung des vergangenen Herbstes einige Anwohner zusammengesetzt, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Aber ärgern alleine reicht nicht.

„Wir wollten an den Planungen mit beteiligt sein“ erzählt Anwohnerin Marlene Marlow. Also machten sie und einige andere sich selbst Gedanken zur Sanierung des Platzes.

Man traf sich immer wieder, aus diesen Zusammenkünften bildete sich schließlich die „Bürgerinitiative Dreieckplatz“. Es wurden Flyer und Infoblätter ausgehängt – möglichst viele Anwohner sollten ihre Meinung zur Neugestaltung ihres Wohnumfeldes miteinbringen.
Als im April der der BVV-Ausschuss für Verkehr und Ordnung den Platz auf die Agenda setzte, kamen Vertreter der Dreieckplatz-BI mit eigenen Gestaltungsvorschlägen zum Termin. Doch kurz zuvor war auf Anraten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die „Planungswerkstatt“ angesetzt worden – der Ausschuss vertagte das Thema.
 

Parkplätze, Zebrastreifen… aber bitte keinen Kinderspielplatz…

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Das Interesse an der Mitgestaltung des eigenen Wohnumfel-
des ist nach wie vor groß: Rund achtzig Anwohner waren am Dienstag erschienen.
In drei Gruppen aufgeteilt und moderiert von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landschaftsplanungsbüros „Gruppe F“ wurde nun beraten „was wollen wir – und was wollen wir nicht?“

Ganz oben stand das Thema Parkplätze. Kaum jemand, der auch nur einen Auto-Abstellplatz für was auch immer hergeben wollte. Parkraum sei knapp, erzählte ein Anwohner – schon mehrmals musste er am Sonntagabend regelwidrig parken, weil nirgends ein regulärer Platz zu finden war.

Überhaupt..., die Radfahrer! (Hier allerdings ornungsgemäß die Fahrbahn nutzend)

Überhaupt…, die Radfahrer!
(Hier allerdings ornungsgemäß die Fahrbahn nutzend)

Als der Begriff „Fahrradstraße“ in den Raum geworfen wurde, wusste erstmal niemand so recht etwas damit anzufangen. Doch selbst, als sich herausstellte, dass in einer solchen Straße Anlieger durchaus mit ihrem Auomobil passieren können und bei ihrer Einrichtung kein bisschen Parkraum geopfert werden müsste, war die Ablehnung einhellig.

Überhaupt…, die Radfahrer…

Immer wieder wurden über die Gehwege fahrende Radler gesichtet, mehr und strengere Kontrollen durch Polizei und Ordungsamt wurden gefordert. Darüber hinaus sollte die Höchstgeschwindigkeit in den Anliegerstraßen abgesenkt und Zebrastreifen angebracht werden, um den Schulweg für die Kinder sicherer zu machen.

Bisher nur mit Unkraut "begrünt"

Bisher nur mit Unkraut „begrünt“

Ein oder mehrere Bäume sollten auf dem Platz gepflanzt werden – jedoch nicht so hoch wachsende, damit die Wohnungen nicht verschattet werden. Auch Bänke sind erwünscht und eine Vogeltränke wäre ebenfalls nicht schlecht. Vielleicht noch ein paar Sträucher, die die Ver-
kehrsgeräusche dämmen.
Allerdings sollte das Bezirksamt dann auch in der Lage sein, das Grün zu pflegen. Was im Moment nicht der Fall ist: Auf dem Platz grünt und blüht derzeit nur das Unkraut.
Ein paar Fahrradbügel sind ebenfalls willkommen – Geh-
wegvorstreckungen hingegen eher unerwünscht. Auf keinen Fall aber soll ein Spielplatz in den Kiez – der Ruhe wegen.
 

Ein Markt auf dem Krügerplatz?

Einigkeit herrschte darüber, dass das historische Gesicht des Straßenzuges gewahrt bleibt und bei der Straßen- und Gehwegsanierung auf bereits vorhandene Materialien zurückgegriffen wird.

Abschreckendes Beispiel: Steinwüste Krügerplatz

Abschreckendes Beispiel: Steinwüste Krügerplatz

Auch sollte die Straßenführung – wie es etwa durch das „Abhängen“ eines Teils der Krügerstraße der Fall wäre – nicht verändert werden.
Die Lifaßsäule können sich viele als Ausstellungsträger für Bilder aus der Geschichte des Kiezes vorstellen; auch die Idee, mittels einer Art Fahrbahnmarkierung an die einst durch die Krügerstraße rumpelnde Straßenbahn zu erinnern, kam gut an.
Als besonders krasses Beispiel eines misslungenen – nach Meinung von Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner aber „denkmalgerechten“ – Umbaus wurde von den Anwesenden die Steinwüste des Krügerplatzes empfunden. Um der zwischenzeitlich mit zwei Bäumchen aufgehübschten Katastrophe etwas Leben einzuhauchen, wurde angeregt, dort regelmäßig einen Markt abzuhalten.
 

Erst mal alles eingesammelt

Jeder Vorschlag, jeder Hinweis wurde notiert, und an eine Tafel angebracht, hinterher wurde abgefragt: Wer ist dafür – wer ist dagegen?
mitmachenDieses Procedere vermittelte offenbar dem einen oder ande-
ren Anwohner den Eindruck, dass hier schon über Gestaltung entschieden wird. So kam es bei der Zusammenfassung der Ergebnisse der einzelnen Gruppen zu Unstimmigkeiten darüber, wieviel Personen denn nun für oder gegen einen Vorschlag gestimmt hätten.
Doch tatsächlich war diese „Planungswerkstatt“ nur ein erster Schritt, bei dem die Ideen und Wünsche der Anrainer erst einmal eingesammelt wurden. Die Vorstellungen der Bürger sollen in die Planung einfließen – sie aber keinesfalls ersetzen.

Bezirksstadtrat Kirchner: Nicht alles kann umgesetzt werden

Bezirksstadtrat Kirchner: Nicht alles kann umgesetzt werden

Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner versuchte dabei klarzustellen, dass auch die Bezirkspolitik nicht alle ihre planerischen Wünsche durchsetzen könne – etwa dann nicht, wenn die Verkehrsbehörde bei einem Planungsdetail eine Gefahr für die Verkehrssicherheit vermutet. „Dann“ so Kirchner, „wird die Einrichtung eines Zebrastreifens an einer bestimmten Stelle von Amts wegen angeordnet.“ Ebenso könnte das mit einer – bei den Anwesenden unbeliebten – Gehwegvorstreckung der Fall sein. Nicht jeden schien das zu überzeugen.
Dennoch herrschte überwiegend Zufriedenheit über den ersten Schritt der Bürgerbeteiligung. Bei einem nächsten Termin sollen dann die Planungsvorschläge diskutiert werden.

Jens-Holger Kirchner, Carsten Steg: Bier für 88.000 Euro?

Jens-Holger Kirchner, Carsten Steg: Bier für 88.000 Euro?

Am Ende der Veranstaltung dankte Carsten Steg, Sprecher der „Bürgerinitiative Dreieckplatz“, dem Moderatorenteam der „Gruppe F“ für ihre „professionelle Arbeit“.

Dann hatte er noch einen allerletzten Vorschlag: Zehn Prozent der geplanten 880.000 Euro sollten für ein Kiezfest mit „Freibier für alle“ abgezweigt werden.
Soviel Mitsprache der Bürger bei der Verwendung öffent-
licher Mittel wollte der Pankower Stadtentwicklungsstadtrat dann aber doch nicht akzeptieren – und lehnte ab.

Schade eigentlich…

 

Schlussbild

 

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