Anwohnerin klagt gegen “Temporäre Spielstraße” | Prenzlberger Stimme

Anwohnerin klagt gegen “Temporäre Spielstraße”

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Eine Anwohnerin hat gegen „Temporäre Spielstraße“ in der Gudvanger Straße Klage eingereicht. Gleichzeitig hat sie nach Information des Bezirksamtes Pankow beim Verwaltungsgericht Berlin eine Einstweilige Verfügung beantragt, nach der die wöchentlich jeden Dienstag als Veranstaltung des Pankower Jugendamtes ausgewiesene Spielstrecke am Humannplatz unverzüglich bis zu einer endgültigen Entscheidung des Gerichtes zu untersagen sei. Hintergrund des Vorgehens ist offenbar die die für diesen Anlass erfolgte stundenweise Sperrung der in dem knapp 40 Meter langen Straßenstück befindlichen Parkplätze.

Wie Bezirksstadtrat Torsten Kühne auf der letzten Sitzung des BVV-Ausschusses für Verkehr und öffentliche Ordnung mitteilte, zweifelt die Klägerin die Notwendigkeit der Spielstraße an, da es ihrer Ansicht nach in der Umgegend ausreichend Spielmöglichkeiten für Kinder gebe. Als Beleg führe sie die nach ihrer Ansicht geringen Besuchszahlen der immer Dienstags stattfindenden Veranstaltung an. Auch werde in der Antragsschrift bezweifelt, dass es sich bei den Spieletagen tatsächlich um eine Veranstaltung handle.

Wie Stadtrat Kühne weiter mitteilte, habe es bereits vor der Klage eine Beschwerde gegeben, bei der ihm eine Liste mit ca. dreißig Unterschriften gegen die sogenannte Temporäre Spielstraße übergeben worden sind. Gespräche zur Lösung des Konflikts seien erfolglos geblieben. Auch das Angebot, die Spielveranstaltung über die Sommerferien zeitweise auszusetzen und erst mit dem Schulbeginn weiterzuführen, seien von der Klägerin nicht akzeptiert worden
 
Trotz des juristischen Vorgehens der Anwohnerin sieht sich der Bezirksstadtrat auf der sicheren Seite. „Der Kiez ist mit Spielplätzen stark unterversorgt“, so Kühne, „es steht hier nur ein Drittel an Spielflächen zur Verfügung, die nach den gesetzlichen Vorgaben eigentlich vorhanden sein müssten.“ Auch könne er keinen Schaden erkennen, der der Klägerin durch die Spielveranstaltung entstanden sein könnte.

Das Projekt „Temporäre Spielstraße“ ist 2013 entstanden, als der Umbau der Gudvanger Straße ins Haus Stand. Getragen wird sie unter anderem von Verkehrs-AG der Wilhelm-von Humboldt-Gemeinschaftsschule, des Jugendclub W24 und umliegender Kita.

 

Die Klägerin oder deren Anwalt waren bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht zu erreichen.


Foto oben: BI Temporäre Spielstraße Gudvanger

 

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7 Kommentare zu “Anwohnerin klagt gegen “Temporäre Spielstraße””

  1. Die Logik der Klägerin zugrunde gelegt:

    Bei nicht genügender Nutzung wäre also eine Klage gegen z. B. Parkplätze ebenso sinnvoll.
    Oder gegen kaum genutzte Müllcontainer.
    Oder eben Spielplätze.
    Oder…oder…oder.

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  2. Anwohner Stahlheimer Str.

    Jun 26. 2015

    Die Logik der Anwohnerin ist relativ einfach. Die öffentliche Hand kommt ihrem Auftrag nicht nach und vernachlässigt die Schaffung von Freiflächen. Sie bedient sich dann dem Mittel, dass zu Lasten Dritter Straßen gesperrt werden und nicht genutzt werden können.
    Gleich neben der Gudvanger Straße ist ein großer neuer Platz im Rahmen der Umbauarbeiten an der Kreuzung entstanden.

    Wieso wird dieser nicht genutzt? Hier können die Kinder ohne große Absperrung 7 Tage die Woche spielen und malen. Das würde dem öden Platz gewiß gut tun.

    Gehwegvorstreckungen kosten ca. 500.000 Euro pro Maßnahme. Zählen Sie mal allein im Gebite Humannplatz/Helmholtzplatz die neu entstandenen Gehwegvorstreckungen und rechnen zusammen! Keines der Gelder ist in den Erhalt oder die Sanierung von Spielplätzen geflossen.

    Hinter der Gudvanger Straße liegt ein Sportplatz. Die öffentliche Hand sieht sich nicht in der Lage diesen Platz ordentlich zu pflegen und Instandzuhalten.

    Jetzt dürfen mal alle anfangen zu überlegen, was hier vielleicht der wirkliche Kern des Ärgernisses ist. Geld ist genug da, jedoch die Verwendung erfolgt ohne Verstand. Am Ende müssen es dann andere ausbaden, was die Verwaltung und die Politik einfach verpennt haben, weil es kein Gesamtkonzept/keine Gesamtidee für einen lebbaren Kiez gibt, der auf alle Interessen Rücksicht nimmt.

    Nun Sie….

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  3. Tja, da muss ich gestehen, bin ich durchaus auf Ihrer Seite.

    Würde die Klage auf die Art begründet, hätte sie m. E. auch durchaus Erfolg.
    Ich stimme Ihnen ganz und gar zu, dass gerade die Schaffung von Spielplätzen etc. Vorrang haben muss. Immer wieder weise ich darauf hin, dass es in meinem Kiez (Alt Karow) genau einen gammligen “Spielplatz”, man wagt ihn kaum so zu nennen, gibt. Und das juckt die Verwaltung auch herzlich wenig.

    Ich finde es jedoch bedauerlich, dass in der Sache Spielstraße die Initiative offensichtlich doch nicht alle Beteiligten im Vorfeld erreicht hat.

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  4. Die Leute werden immer blöder. Sollen sie doch in den Wald ziehen!

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  5. Hege großes Verständnis für die Klägerin. Die Behandlung der Autofahrer in dieser Stadt kann man schon lange nur noch schikanös nennen.

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  6. Andreas Peters

    Jul 11. 2015

    Dieser Artikel ist der erste seiner Art, der meiner Auffassung nach etwas zur Versachlichung beiträgt. Alle bisherigen Beiträge, die mir in den Medien zu Augen kamen und das waren erschreckend viele haben bei mir den Eindruck verstärkt, dass sich eine Initiative mit Lügen und Ignoranz höchst erfolgreich mit ihren Interessen durchsetzt. Eine ernsthafte Interessensabwägung hat im Vorfeld definitiv nicht stattgefunden!
    Als Anwohner des betroffenen Wohnhauses Gudvanger Straße 22 kann ich mich entsinnen, dass im Herbst letzten Jahres von der Initiative eine Befragung bei uns im Haus durchgeführt wurde. Am frühen Abend standen auf einmal drei Frauen vor der Tür und warben für ihre Idee einer Spielstraße. Wir haben uns, wie die meisten im Haus, die auch Eltern von Kindern sind, nicht grundsätzlich dagegen ausgesprochen, aber einer wöchentlichen Veranstaltung vor der Tür eine klare Absage erteilt.
    Wir hatten seitdem nichts mehr von der Initiative gehört und das Projekt schon fast vergessen, bis dann indirekt über eine benachbarte Schule, die Information zu uns durchdrang, dass in Bälde die wöchentliche Umsetzung der Spielstraße erfolgt. Wir fühlten uns alle vor den Kopf gestoßen und nahmen Kontakt zu den Initiatoren auf. Bei der Initiative begann man offensichtlich erst zu diesem Zeitpunkt zu realisieren, dass es neben der Humboldt-Schule, W24 und den beiden Kitas, auch noch uns als unmittelbar betroffene Anwohner gibt. Tage später hing dann bei uns im Haus erst ein Infozettel, dann später farbig gestaltete Flyer an den vor dem Haus parkenden Autos.
    Die Ignoranz der Initiative verfestigte sich immer mehr und war jedes Mal wie ein Schlag ins Gesicht. Unser Ärger darüber war nun über Gespräche nicht mehr zu regulieren. Die Haltung der Initiative und letztlich auch des Jugendamtes hat sich nicht verändert. Bis heute wird zum Beispiel die Behauptung aufrecht gehalten, es ginge uns vor allem um die Parkplätze vorm Haus. Dabei muss man sich doch nur einmal vor Augen halten, wie dumm jemand sein muss, um in solch einem Konflikt mit Parkplätzen erfolgreich argumentieren zu wollen. Wir sind es jedenfalls nicht und wir haben die Idee der Initiative durchaus verstanden und haben konstruktive alternative Vorschläge unterbreitet.
    Mich persönlich hat es gewundert, wohl auch, weil ich darüber vorher nicht nachgedacht habe, dass es hier im Gegensatz zu anderen Plätzen in Berlin genügend Alternativen gibt. Die Humboldt-Schule z.B. bietet gleich nebenan einen wirklich tollen und ausreichend großen Platz zum Spielen und Sport treiben. Es ist in diesem Zusammenhang unbegreiflich, dass dieser lediglich von der Schule selbst und das auch nur in den Pausen genutzt wird. Mit etwas Absprache sollte doch hier etwas möglich sein. Zu der Spielplatzsituation auf und um den Humannplatz herum sei als Anwohner anzumerken, dass diese eine gänzlich andere ist als von Bezirksstadtrat Kühne behauptet. Hier gibt es ausnahmsweise genügend Platz zum Ausweichen, übrigens auch für Autos.
    Der Humannplatz ist im Übrigen lediglich zwischen 16 und 18 Uhr (nach Schulschluss) gut gefüllt, was ganz offensichtlich mehr die Erwachsenen, als die Kinder selbst stört. Was die bisherige Umsetzung der Spielstraße angeht, bin ich zudem wenig beeindruckt. Ich sehe zwar viele bemühte und engagierte Erwachsene, aber relativ wenig motivierte Kinder. Es hat den Anschein, dass die Kinder gar nicht auf dem Asphalt spielen wollen und viel lieber in die Büsche des Humannplatzes entschwinden wollen. Ich kann das gut verstehen, denn ich war auch mal Kind.
    Wie auch immer dieses „Spiel“ ausgeht, der eigentliche Skandal ist meiner Auffassung nach, dass ungeprüft und ohne Interessensabwägung in der BVV und mit dem Bezirksstadtrat ein offensichtlich prestigeträchtiges von eigenen Interesses geleitetes Projekt durchgesetzt wurde, deren Kosten letztlich wieder der Allgemeinheit übertragen werden. Parallelen zu größeren Projekten in der Politik erspare ich mir an dieser Stelle. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu dem Projekt in Bremen. Die Spielstraße dort ging nämlich von den Anwohnern selbst aus und wurde nicht hinter verschlossenen Türen von Außenstehenden beschlossen.

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  7. ShadowXX

    Jul 15. 2015

    Jedem Schreiber hier wünsche ich das die Strassen in den Sie wohnen dauerhaft zu Spielstrassen erklärt werden in denen nie mehr Autos fahren dürfen, geschweige denn Parken.

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