Grüne Kandidatenwahl: “Wir müssen die SPD antreiben” | Prenzlberger Stimme

Grüne Kandidatenwahl: “Wir müssen die SPD antreiben”

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Nach der CDU hat nun der Pankower Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen seine Kandidaten für das Abgeordnetenhaus nominiert. Bei den Vorstellungsreden der Kandidaten bekam vor allem der potenzielle Koalitonspartner SPD sein Fett weg.
 
02Jede Partei hat so ihre Marotten, deren tieferer Sinn sich dem nichteingeweihte Beobachter nicht immer so ganz erschließen. Bei den Bündnisgrünen gehören dazu zwei Kästchen, auf dem das eine das Zeichen für „weiblich“, auf dem anderen jenes für „männlich“ aufgemalt bekam. Wer nun Fragen an den jeweiligen Kandidierenden hatte, war gehalten, sie schriftlich zu formulieren und den Zettel – nach sorgfältiger Vergewisserung der eigenen Zugehörigkeit zu der zur Auswahl stehenden beiden Gruppen m/w – in das eine oder andere Behältnis zu werfen. Einen irgendwie merklichen Einfluss auf die Veranstaltung hatte das ganze nicht – es ist halt so ein Ritual.

In Runde Eins ging es um den in Prenzlauer Berg gelegenen Wahlkreis 8. Der wurde einst vom damaligen Grünen-Frontmann Volker Ratzmann gewonnen, der aber kurz darauf – nachdem er von einem gewissen Klaus Wowereit bei Koalitionsvorgesprächen eiskalt abserviert wurde – der Politik Valet sagte.

04An seiner Stelle vertritt nun Stefan Gelbhaar den Wahlkreis, gegen den sich Matthias Dittmann – Schauspieler und Tourisikunternehmer – in Stellung brachte.
Er verwies auf die Wahlkämpfe, die er bisher für andere Parteifreunde mit geprägt habe; er sei deshalb sicher, den Wahlkreis diesmal auch selbst gewinnen zu können. Dann schlug Dittmann den ganz großen Bogen: Beginnend vom Kollwitzplatz bis hin zu Papst Franziskus und wieder zurück in die Schönhauser Allee. Das alles mit einigem Pathos vorgetragen, traf er nicht so ganz den Nerv der Anwesenden.

Bodenständig hingegen blieb Mandatsinhaber Stefan Gelbhaar.

gelbhaarDer Fraktionssprecher der Bündnisgrünen für Verkehrs-, Medien- und Netzpolitik berichtete von zahlreichen Kontakten zu Bürgerinitiativen und Anwohnern („man kennt sich und man wir erkannt“).
Gelbhaar, der sich in den vergangenen Jahren besonders für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur eingesetzt hatte, würde gern einen zweiten Versuch des im vergangenen Jahr grandios gescheiterten “Eco Mobiliy Festivals” wagen – diesmal rund um den Kollwitzplatz.

Das Ergebnis der Abstimmung war eindeutig: Zwei Drittel der Anwesenden sprachen sich für den gegenwärtigen Mandatsinhaber aus.

bettinaLandesvorsitzende Bettina Jarrasch, die zum Vierer-Spitzenteam der Berliner Bündnisgrünen für die Wahl 2016 gehört, trat ohne Gegenkandidaten für den Wahlkreis 5 (Pankow-Süd, Heinersdorf) in den Ring.
Die grüne Spitzenfunktionärin startete einen Frontalangriff auf Senatorin Sandra Scheeres (SPD), „die ja nicht nur für Schule, sondern auch für Wissenschaft zuständig ist“, was zuweilen vergessen werde. Jarrasch beklagte, dass es eine große Anzahl von Lehrbeauftragten gebe, die mit befristeten Verträgen in prekären Arbeitsverhältnissen tätig seien – ohne Urlaubsanspruch, ohne Mutterschutz. Und die beschäftigenden Institutionen seien sich dieses Problems nicht einmal bewusst.
Kritik übte die Grünen-Chefin auch am kostenlosen Kita-Anspruch für alle: Dieser Anspruch gehe zu Lasten der Qualität der Kinderbetreuung.
Darüber hinaus äußerte Bettina Jarrasch ihr Unverständnis darüber, dass in Anbetracht der angespannten Wohnraumsituation und der Begrenztheit der zur Verfügung stehenden Flächen große Einkaufscenter geplant werden – ein Seitenhieb auf das von Bezirk Pankow unterstützte Vorhaben des Möbelhaustycoons Kurt Krieger, auf dem ehemaligen Güterbahhof Pankow Möbelhäuser und eine Shopping-Mall zu errichten.

stefanie1Stefanie Remlinger, Bildungspolitische Sprecherin der Bündnisgrünen im Berliner Abgeordnetenhaus, legte nach. Sie bemängelte, dass der rot-schwarze Senat mit dem dringend nötigen Schulbau nicht nachkommt. Die Zeit von der Planung bis zur Umsetzung sei viel zu lang und die Landesregierung würde im Zweifel auf sogenannte Modulbauten setzen, die nicht immer den Anforderungen genügten, die an einen modernen Schulbau zu stellen sind.
Dass es auch anders geht, werde im Hamburg gezeigt.
Dort habe man vom Beginn der Planung, über den Architekturwettbewerb samt der Beteiligung von Schülern und Lehrern bis hin zur Fertigstellung eines Schulneubaus gerade einmal zwei Jahre gebraucht. Das sei auch in Berlin möglich. Stefanie Remlinger: „Wir müssen die SPD antreiben“

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Als die Große Koaltion antrat, so Andreas Otto, erneut kandidierender Abgeordneter des Wahlkreises 6 (Prenzlauer Berg), sagte man, die könnte nicht gestalten, sondern nur verwalten. „Nun müssen wir feststellen, die können nicht mal das.“ Als Beispiel nannte er das seit Monate anhaltende Chaos bei der Flüchtlingsregistrierung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo).
Kritisch äußerte sich Otto auch über die Bebauung am Mauerpark nördlich des Gleimtunnels. Zwar brauche Berlin Wohnungsbau, doch was dort abgelaufen ist, sei unsauber und nicht mit rechten Dingen zugegangen. Die Pankower Abgeordneten der Bündnisgrünen hätten deshalb gegen die Bebauung gestimmt.

Peter Brenn (rechts) mit Oliver Jütting, Kandidat Wahlkreis 1

Peter Brenn (rechts) mit Oliver Jütting, Kandidat Wahlkreis 1

Für eine Überraschung sorgte der Bezirksverordnete Peter Brenn, der sich kurzfrustig entschlossen hatte, im Wahlkreis 2 (Blankenfelde, Rosenthal, Wilhelmsruh und Niederschönhau-
sen-Nord) gegen seine BVV-Kollegin Catrin Fabricius anzutreten.
Als Mann gegen eine Frau zu kandidieren – das verstößt eigentlich gegen urgrüne Etikette. Entsprechend kritisch waren die Nachfregen seiner Parteifreunde. Doch mit einer emotionalen Rede (“Ich kandidiere nicht gegen jemand, sondern für etwas”), gelang es dem 66jährigen Architekten , die große Mehrheit der Versammelten auf seine Seite zu ziehen.

 

 

Die Pankower Kandidaten von Bündnis 90/Die Grünen für das Berliner Abgeordnetenhaus

 

Wahlkreis 1 Oliver Jütting

Wahlkreis 2 Peter Brenn

Wahlkreis 3 Cordelia Koch

Wahlkreis 4 Verena Toissant

Wahlkreis 5 Bettina Jarasch

Wahlkreis 6 Andreas Otto

Wahlkreis 7 Daniela Billig

Wahlkreis 8 Stefan Gelbhaar

Wahlkreis 9 Stefanie Remlinger

 


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6 Kommentare zu “Grüne Kandidatenwahl: “Wir müssen die SPD antreiben””

  1. Die in dem o.g. Artikel von den Grünen kritisierte Schulsenatorin hätte den Artikel aufgrund der vielen Rechtschreibfehler mit mangelhaft bewertet.

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  2. Wie bitte… ? Okay, ein Wortdreher war drin…

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  3. Herr Olaf Kampmann ich lass das jetzt mal so stehen. Mit der Aufforderung finde den Fehler!

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  4. Stefan Senkel

    Nov 12. 2015

    Herr Kampmann, der in ihrem Schaukasten als Kandidat für Wahlkreis 7 genannte, ist kein Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen sondern kandidiert für die CDU. Bei aller tatsächlicher oder vermeintlicher Annährung und dem liebäugeln Einiger mit schwarz-grünen Projekten, so weit gehen die Gemeinsamkeiten dann doch nicht 😉

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    • von ODK

      Nov 12. 2015

      Oh, oh, oh… – unanjenehm. (Das kommt davon, wenn man die Maske aus einem anderen Artikel übernimmt und dann nicht aufpasst…). Vielen Dank für den Hinweis – ist korrigiert

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