Viertelfinale: SV Empor Berlin – BSV Heinersdorf | Prenzlberger Stimme

Viertelfinale: SV Empor Berlin – BSV Heinersdorf

Sagen wir mal so: Im Vergleich zum Fußball ist das Boxen die weniger brutale, weil dem Unterlegenen mehr Schutz bietende Angelegeheit. Denn beim Faustkampf gibt es das Konstrukt des technischen K.O.: Ist einer der Widersacher dem ande-
ren derart unterlegen, dass ihm (oder dem psychisch insta-
bilen Zuschauer) irreversible Schäden drohen, kann der Ringrichter jederzeit den Kampf zugunsten des Überlegenen beenden. Auch ist es dem jeweiligen Trainer möglich, dem Leiden seines Schützlings durch das Werfen eines Handtuchs vor Ablauf der regulären Kampfzeit ein Ende zu bereiten.
Von einer derartigen Humanisierung des sportlichen Wettbe-
werbs ist der Fußball noch weit entfernt. Da muss durchge-
halten werden. Ohne Gnade. Bis zum Schluss.

Im Folgenden nun eine genaue Darstellung des Tathergangs:

Erste Spielminute: Anpfiff durch den Schiedsrichter. Zweite bis 14. Minute: Auch der BSV Heinersdorf hat zuweilen Ballkon-
takt und kann so mit einigen Spielzügen zum Gelingen des Nachmittags beitragen. 15. Minute: 1:0 für Empor Berlin durch Patrick Busch. 20. Minute: 2:0 durch Oliver Gaschekowski. 21. bis 34. Minute: Wiederum sind auch Ballkontakte von Heinersdorfer Spielern zu vermelden. Die Hoffnung auf einen Sieg der Grünbedressten wandelt sich zur unerschütterlichen Überzeugung. 35. Minute: 3:0 durch Steven Rajemann. 40. Minute: 4:0 durch Steven Rajemann. 42. Minute: 5:0 durch Oliver Gaschekowski.

43. Minute: Die Angriffsmaschinerie des BSV Hei-
nersdorf läuft auf Hochtouren und schon eine Minute später erzielt Tommy Rieß das 1:5. Nur noch fünf Tore bis zum Halbfinale! Und während sich am Spielfeldrand spontan eine Initiativgruppe zur Umwandlung des Rundlokschuppens am S-Bahnhof Heinersdorf zur “Hall-of-Fame” zusammenfindet, in deren Mittelpunkt der Exerpokal 2011 aufgestellt werden soll, unterbricht der Schiedsrichter am Ende der 45. Minute völlig willkürlich und unerwartet das Spiel. Wegen einer angeblichen “Halbzeit” oder so. Die Initiativgruppe “Rundlokschuppen” beschließt einstimmig ihre Umwandlung zur Bürgerinitiative “Wiederanpfiff jetzt!” und wird bei der Spielleitung vorstellig.

Nachdem Drohungen mit Rechtsanwälten und dem Bundes-
präsidenten sowie eine Petition an den Uno-Sicherheitsrat erfolglos blieben, kündigt der kommissarische Vorsitzende der BI “Wiederanpfiff jetzt!” das Erscheinen seiner Schwieger-
mutter an. Der Schiedsrichter gibt unter Protest nach und treibt die Spieler aus ihren Kabinen.
46. Spielminute: Wiederanpfiff durch den Schiedsrichter.
Auch der BSV Heinersdorf gerät zuweilen in Ballkontakt und kann so mit einigen Spielzügen… – nein, doch nicht. 50. Mi-
nute: 6:1 durch Morten Jechow. 51. Minute: 7:1 durch Steven Rajemann. 60. Minute: 8:1 durch Robert Gärtner.

65. Minute: Nachdem Empor nun schon fünf Minuten lang kein Tor mehr gelungen war, dämmert es auch dem letzten Zweif-
ler: Die können es nicht. Da zunehmend auch immer wieder Heinersdorfer Spieler mit dem Ball in Berührung kommen, steht der Sieger der Partie praktisch schon fest.
79. Minute: Die Lobbyvereinigung “Germany for Weltmeister” (ehemals “Wiederanpfiff jetzt!”) schickt eine hundertsiebenundzwanzig Seiten starke Denkschrift mit dem Titel “So können wir es schaffen!” an das Präsidium des Deutschen Fußballbundes. Tenor der Abhandlung: Nur mit dem jetzigen BSV-Trainer Nico Dürer als Bundestrainer kann Deutschland wieder eine Weltmeisterschaft gewinnen. Da als Übermittlungsweg nur Twitter zur Verfügung steht, nimmt der Versand des Textes einige Tage in Anspruch.

80. Minute: 9:1 durch Robert Gärtner. 81. Minute 10:1 durch Morten Jechow. 85. Minute: 11:1 durch Robert Gärtner. Beginn der 90. Minute: 12:1 durch Robert Gärtner. Ende der 90. Minute: Abpfiff durch den Schiedsrichter.

 

(Und der Himmel weinte mit. Und zwar heftig!)


 

 

Stimmen zum Spiel

 
Ein BSV-Fan: “So kurz vor dem Sieg – und dann doch noch rausgeflogen. Eine Tragödie!”

Ein Empor-Betreuer: “Nette Jungs, diese Heinersdorfer.”

Frank N. (Fuwo-Zuträger und Pokalorganisator): “Is noch Bier da?”

Uwe S. (Pokalorganisator und Fuwo-Zuträger): “Bier hamwa noch!”

 

 

Die Bilder vom Spiel kann man sich als Dia-(“Slide”)Show ansehen, wenn man auf PicLens klickt.


 

 

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