Der Held von Gegenüber | Prenzlberger Stimme

Der Held von Gegenüber

Nach dem Ende des Spiels gab es Applaus vom Gegner. Von den Spielern der SG Rotation. Er galt dem Torwart des Sportvereins Pfefferwerk, der den Jungs vom Teschsportplatz mit schier unglaublichen Paraden das Leben schwer gemacht, und sie um ein Haar um den Sieg gebracht hatte.

Es war von Anfang an ein Spiel in eine Richtung: In die des Strafraums des SV Pfefferwerk. Die Mannschaft der SG Rotation stürmte von der ersten Minute an und spielte sich von Angriff zu Angriff fast schon in einen Spielrausch hinein. Die in Rot gekleideten Pfefferwerker verloren fast jeden Zweikampf – und behielten sie dann und wann doch einmal die Oberhand, war sofort ein Spieler der Schwarzweißen da, der ihm den Ball wieder entführte. Die Sache war also klar und die Frage schien nur noch zu sein: Wie hoch gewinnen wir diesmal?
Aber ach…

Jedes Mal, wenn die Pfefferwerker Feldspieler ausgespielt waren, überrannt, und längst den Torschuss nicht mehr stören konnten, stand da hinten auf der Linie nur noch ein kleiner blonder Steppke, ganz in Orange gekleidet und mit über-
großen Handschuhen ausstaffiert. In einer Ecke seines Tores schaute sein Plüschteddy aus einem viel zu großen roten Trikot und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Doch so oft die Schwarzweißen – mal über die Flügel flitzend, mal durch die Mitte marschierend – alles, was rot aussah,

längst hinter sich gelassen und nur noch einen einzigen Gegner vor sich hatten, eben jenen im orangefarbenen Dress, war Schluss. Denn er, der körperlich kleinste im Pfefferwerk-
Team, streckte sich plötzlich, sprang, hechtete, stand immer da, wo der Ball gerade ins Tor fliegen sollte. Keine Ecke, die er nicht erreichte, kein Ball, der er nicht fing oder wegschlug.
Als es am Ende der ersten Halbzeit noch imner 0:0 stand, da waren die Nerven der Spieler – zumindest die der Rotationer – dann doch schon etwas lädiert. Es war ja auch wie verhext. 6:0 hätte es schon stehen können – Mindestens. Wäre da nicht der kleine Torwart in Orange… .
 

Die zweite Halbzeit begann so, wie die gesamte erste verlaufen war: Drückend überlegene Rotationer, recht hilflos den Gästen hinterher rennende Pfefferwerker – und einem orangenen Keeper, der außer seinem Teddy nichts, aber auch gar nichts in sein Tor hinein ließ. Angereichert wurde das Geschehen jedoch durch Momente, die eine kostenlose Verteilung von Herztropfen an die Zuschauer ohne weiteres gerechtfertigt hätte: Und das waren Situationen , in denen es der Pfefferwerk-Sturm tatsächlich bis vor das Rotation-Tor schaffte – und die Jungs von Techsportplatz dermaßen überrascht reagierten, dass sie nicht nur über Ball und eigene Füße stolperten, sondern dem Gegner den Ball maßgerecht zum Torschuss vorlegten. Zum Glück machte niemand von dem Angebot Gebrauch…

Erst fünf Minuten vor Schluss dann die Erlösung. Nach einem der unzähligen Sturmläufe der Rotationer und zwei abgewehrten Schüssen hielt Gavin noch einmal voll drauf, und der Ball zappelte endlich im Netz. Beim 1:0 blieb es bis zum Schluss. Rotation Prenzlauer Berg hatte den verdienten Sieg eingefahren, drei Punkte geholt und die Tabellenführung verteidigt. Der wirkliche Held des Tages aber kam von Gegenseite und trug Orange.
 

 

 

Rund 90 Bilder vom Spiel kann man sich als Dia-(“Slide”)Show ansehen, wenn man auf PicLens klickt


 

 

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