Eine Halbzeit reichte aus | Prenzlberger Stimme

Eine Halbzeit reichte aus

Gleich zwei Tore konnte Yannis beim Punktspiel gegen den FC Berlin 23 erzielen. Es waren seine ersten Tore in einem Pflichtspiel überhaupt. Gerade sein erstes Tor – das 2:0 – brachte ein wenig Sicherheit in das bis dahin völlig verfahrene Spiel der Rotationer.
 

Eigentlich war von Anfang an alles klar. Auf der einen Seite die Mannschaft des FC Berlin 23: Nach drei Spielen noch ohne Sieg und einem Minus von 23 Toren. Auf der anderen Seite Rotation: Zwei Spiele, zwei Siege und mit einem blitzsauberen Torstand von 24:0.
Alles klar also… – bis zum Anpfiff.
Denn auf dem teschähnlich niedergetretenen Kunstrasen an der Storkower Straße schien auf Seiten der Schwarzweißen eine Mannschaft aufgelaufen zu sein, deren Akteure sich vorher noch nie gesehen, geschweige denn miteinander
gespielt hatten. Jeder stocherte für sich allein auf dem Feld herum, – planlos, übersichtslos. Trainer Sascha Kummer stand des Entsetzen ins Gesicht geschrieben und Selcuk Bas barmte am Spielfeldrand: “Redet doch mal miteinander!” Umsonst. Jeder Stürmer stürmte für sich allein, im Mittelfeld fanden sich mal alle Spieler wie zu einer Produktionsberatung zusammen – ohne sich dabei aber tatsächlich auszutauschen. Und die Abwehr… – selbst Aguibou, sonst Fels in der Brandung der Rotation-Abwehr, an dem noch fast jeder gegnerische Angriff zerschellte, machte nicht selten in einem

Anflug von überbordender Höflichkeit den Platz für herannahende FCB-Spieler – Devise: Bloß nicht mit dem Ball in Berührung kommen!
Und als dann – endlich! – sechs Minuten vor der Pause doch noch das 1:0 für die Prenzlauer Berger fiel, sah das konsequenterweise auch eher nach einem Selbsttor der Gastgeber aus…
Kurz vor dem Halbzeitpfiff zeigte dann schließlich Yannis, wie es auch gehen kann: Ballannahme im Mittelfeld, ein paar Schritte in Richtung des gegnerischen Strafraums vorgestürmt, Abschuss von Halbrechts – Tor!
 

Sicher hatten die Trainer den Spielern während der Halbzeitpause nochmal klargemacht, dass Fußball ein Mannschaftsspiel ist, bei dem man möglichst miteinander spielt; auch der Umstand, dass die tief am klaren Oktoberhimmel stehende Herbstsonne den Rotationern beim Vorwärtsspiel nun nicht mehr grell ins Gesicht schien, mochte das seinige dazu beigetragen haben – jedenfalls schien mit Beginn der zweiten Halbzeit eine andere Mannschaft auf dem Feld zu sein. Mit dem 2:0 (und der Sonne) im Rücken klappte das Zusammenspiel zusehends besser, und als

nach gut fünf Minuten schließlich das dritte Tor fiel, gab es für die Jungs vom Teschsportplatz kein Halten mehr. Die Spieler des FC Berlin 23 kamen so gut wie gar nicht mehr aus ihrer eigenen Hälfte heraus. Torwart Mathis stand oft schon nahe des imaginären Mittelkreises – und als er dort einen zurückkommenden Ball mit der Hand aufnahm, kassierte die Mannschaft prompt einen Freistoß gegen sich. Doch der blieb folgenlos. Auf der anderen Seite des Spielfeldes aber klingelte es dafür umso öfter. Am Ende gewann Rotation das Spiel 13:0 – ein Ergebnis, mit dem man nach der verkorksten ersten Halbzeit wohl kaum noch rechnen durfte.

So stand am Ende zwar ein eindeutiger Sieg, aber der wurde gegen eine Mannschaft errungen, die deutlich schwächer aufgestellt war.
Die Bilanz bleibt makellos: Drei Spiele, drei Siege, und ein Torstand von 37:0. Und somit – bei einem Spiel weniger (und einem besseren Torverhältnis) – Tabellenplatz 2 hinter der SV Berliner Brauereien. Fakt ist aber auch: Wenn es am nächsten Sonnabend zu Hause gegen Verfolger Viktoria Mitte geht, müssen die Rotationer von Beginn an zeigen, was sie drauf haben. Sonst sind die ersten Miesen vorprogrammiert.
 

 

Und hier die Galerie zum Spiel. Wenn man auf PicLens klickt, kann man sich rund 70 Fotos von der Begegnung als Dia-Show betrachten.


 

 

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Kommentar zu “Eine Halbzeit reichte aus”

  1. Elias

    Okt 28. 2011

    Liebe Leser,

    einen Verfolger Viktoria Mitte (wie im Bericht erwähnt) gibt es nicht. Das sind einfach nur Jungs die totale Fußballfanatiker sind, und jede Sekunde auf dem Fußballplatz genießen (Die spielen für sich und verfolgen niemanden).
    Die Mannschaft ist Jahrgang 2003 und daher eigentlich eine 1.F, aber da sie in der letzten Saison sehr gute Ergebnisse erzielt hat, dürfen sie sich in dieser Saison mit “Älteren” messen. Bis jetzt klappt das auch ganz gut und wir sind absolut zufrieden und entspannt.
    Wenn wir morgen gegen Rotations 2002er verlieren wirft uns das nicht um und wenn wir versehentlich gewinnen sollten, macht uns das nicht besser. Solange die Kids mit Spaß und einer gesunden Portion Ehrgeitz auf den Platz marschieren, ist alles in Butter.
    Bei meinem Sascha, den ich für seine Arbeit auch wirklich sehr schätze, habe ich manchmal das Gefühl, dass das Ergebnis etwas zu doll im Vordergrund steht… Meine persönliche Anmerkung dazu: Falscher Ansatzpunkt. Mal gewinnen und mal verlieren. So lernt der Spieler mit den Situationen umzugehen.

    In diesem Sinne Grüßt
    Elias
    Trainer beim SV Rot-Weiß Viktoria Mitte 08 e.V.

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