| Prenzlberger Stimme

Prenzlauer Berg war mal berühmt für seine Clubszene. Mittlerweile ist, mal abgesehen vom ICON und dem Duncker…

Die Kulturbrauerei ist ja nun auch noch da!

…mal abgesehen vom ICON, dem Duncker und dem Frannz, nicht mehr viel davon übrig. Die ICON-Betreiber, deren Club im vergangenen Jahr durch das Pankower Stadtentwicklungsamt geschlossen werden sollte und schließlich durch die Bezirkspolitik gerettet wurde, haben mittlerweile in Kreuzberg das „Gretchen“ eröffnet. Prenzlauer Berg, sagen sie, läge nur noch an der Peripherie. Sie klagen über Anwohner, die wegen angeblichen Lärms vor der Tür ständig die Polizei rufen und berichten davon, dass Besucher Abend für Abend von einer Hausbewohnerin fotografiert würden. Wird Prenzlauer Berg demnächst zu einer reinen Schlafstadt?

Wenn alleine die Angst vor möglichen Auseinandersetzungen schon dazu führt, dass die Clubs sich andere Orte suchen, dann haben auch Behörden schlechte Karten. Ich denke, dass wir als Behörde es lernen müssen, mit „Dauerkritikern“ aus der Anwohnerschaft umzugehen. Die Ordnungsbehörden haben da sowieso ihre Erfahrungen, was Nachbarschafts- oder Veranstaltungslärm betrifft… – wir müssen höllisch aufpassen, dass Prenzlauer Berg nicht clublos wird.
Aber es gibt ja auch Hoffnung – der Knaack-Klub und das Bezirksamt arbeiten nach wie vor an einem neuen Standort und in der Bötzow - Brauerei ist dem Vernehmen nach auch eine neuen Clubnutzung vorgesehen. Es bleibt also immer alles anders.

In unmittelbarer Nähe des Duncker-Clubs steht ein Wohnhaus vor seiner baulichen Vollendung. Es gibt Befürchtungen, dass das Szenarium, das sich im vergangenen Jahr um das ICON oder bei der Schließung des Knaack-Klubs abspielte, hier nun eine Wiederholung erfahren könnte.

Die Befürchtungen kann ich verstehen, doch aus meiner Sicht ist der Duncker nicht gefährdet. Der Club ist ja ein Solitärbau, so dass es keinerlei bauliche Schallbrücken zu dem Wohnhaus gibt.

Die gab es beim ICON auch nicht.

Außerdem grenzt der Duncker nicht direkt an das Wohnhaus – dazwischen befindet sich ja noch der Eingangsbereich des Schliemann-Gymnasiums.

Das sind die tatsächlichen Gegebenheiten. Der ICON wäre aber um ein Haar wegen formaler Dinge geschlossen worden. Der Leiter des Stadtentwicklungsamtes, dem Sie ja nun seit einigen Tagen vorstehen, formulierte das damals sinngemäß so: Ein Club ist nach dem Gesetz eine Vergnügungsstätte. Vergnügungsstätten aber seien nach der Baunutzungsverordnung in Wohngebieten nicht zulässig. Deshalb müsse der Club geschlossen werden – und nicht wegen etwaiger tatsächlicher Lärmbelästigung.

Ich kenne diese Position – aber ich teile sie nicht. Ich denke, dass diese Clubs dahingehören. Und dass man höllisch aufpassen muss, was man da anrichtet mit einer quasi formalrechtlichen Argumentation. Es geht ja hier auch um Bestand. Schwieriger wird es, wenn sich neue Clubs gründen wollen.
Andererseits haben wir auch die Möglichkeit, Gastronomie mit besonderer Betriebsform zuzulassen. In Prenzlauer Berg haben wir 78 solcher Betriebe, in denen auch Veranstaltungen stattfinden, oftmals eben Konzerte andere Musikveranstaltungen. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass Prenzlauer Berg nicht langweilig wird.

Langweilig wird es auf den Straßen von Prenzlauer Berg auf gar keinen Fall, weil…

...25 Millionen Fahrradfahrer...

…gefühlt 25 Millionen Baustellen…

Zum Glück!

…nicht nur im Stadtteil, sondern im gesamten Bezirk für nicht immer willkommene Abwechslung sorgen. Wann werden es denn weniger?

Gar nicht. Nicht mehr in unserem Leben. Weil die gesamte Infrastruktur erneuerungsbedürftig ist. Und die Erfüllung der Sehnsucht nach einem baustellenfreien Prenzlauer Berg werden wir wohl nicht mehr erleben. Nur die Baustellendichte wird sich zuweilen ändern. Da gibt es dann immer mal wieder Hoch-Zeiten. Wie jetzt gerade wieder, wenn die Berliner Wasserbetriebe neue Abwasserdruckleitungen verlegen. Das begann in der Oderberger Straße, geht dann weiter über die Sredzkistraße bis runter zur Winsstraße. Das ist eine große Leitung, die da gelegt wird. Wer mal einen Blick in die Baugruben in der Oderberger geworfen hat, der konnte sehen, dass das schon eine andere Dimension darstellt, als ein mal eben schnell verlegtes Telefon- oder Fernsehkabel der verschiedenen Anbieter.
Das gesamte Abwassersystem wird umgestellt: Fäkalien und Regenwasser werden künftig getrennt abgeleitet. Die zuweilen maroden Gullyschächte müssen saniert werden und das Trinkwassernetz wird sowieso permanent erneuert.
Darüber hinaus wird das Fernwärmenetz erweitert. Das ist nicht immer steuerbar: Wenn ein Hausbesitzer verlangt, sein Grundstück an die Fernwärme anzuschließen, dann ist Vattenfall verpflichtet und interessiert, dem nachzukommen. Derzeit sehen wird das in der Stargarder Straße, hier wird ja eine Hauptfernwärmeleitung vom Thälmannpark Richtung Gleimviertel gelegt, aktuell mit unterirdischer Querung der Schönhauser Allee.
Prenzlauer Berg hat zum Teil grottige Gehwege. Wir sind im Moment dabei, im Gebiet rund um den Kollwitzplatz – Kollwitzstraße, Knaackstraße, Rykestraße, Belforter Straße – die Bürgersteige zu erneuern. Im nächsten Jahr geht es dann rüber zum Helmholtzplatz.
Insofern wird es noch eine Weile dauern, bis die Baustellen spürbar abnehmen.


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