Bengalos, Trommeln – und ein Prenzlauer Berger Problem | Prenzlberger Stimme

Bengalos, Trommeln – und ein Prenzlauer Berger Problem

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Am Ende feierten die acht Karower Ultras ihre Mannschaft so, als hätten sie einen haushohen Sieg davongetragen. Die Realität sah etwas anders aus.
 
003„Hier spielt die ‚Zweite‘ der Zweiten Mannschaft“, hatte ein Karower sarkastisch die Zusammenstellung des SV kommentiert.

Und so sah es dann auch aus.

Alles, was irgendwie laufen konnte und aus Karow kam, wurde aufs Feld geschickt. Selbst der Trainer mühte sich redlich auf dem Prenzlauer Berger Kunstrasen.
Der Grund für das Aufstellen dieser Patchwork-Mannschaft waren wohl Urlaubs- und Krankmeldungen – und aus Karows Erster, so war zu hören, mochte keiner auf den Teschsportpaltz kommen.

004Dass mit einer zusammengewürfelten Mannschaft gegen den Bezirksligisten Concordia Wilhelmsruh kein Blumentopf zu gewinnen war, war augenscheinlich. In der ersten Halbzeit ließ Concordia den wieder gut haltenden Karower Torwart Alexander Netzmann hinter sich greifen.

In der zweiten Halbzeit schien auch Concordia die Lust am Spielen vertloren zu haben. Ein sibtes Tor landete noch im Karower Netz – der rest war Tändelei. „Wer braucht solche Spiele“, kommentierte Abpfiff der Wilhelmsruher Trainer Heiko Dohlich die abendliche Vorstellung auf dem Platz.

Die einzigen Karower, die die gesamten neunzig Minuten ohne Konditionsverlust durchhielten, waren die treuen Ultras, denen jedes Gegentor nur Anlass war, noch lauter zu singen und zu trommeln.

 

Schönes neues Prenzlauer Berg

Überraschung: Der Tesch ist ein Fußballplatz…

002Seine Name ist nicht bekannt und tut auch nichts zur Sache. Er könnte Meier heißen, Schulze, Müller oder auch Häberle.
Er wohnt offensichtlich noch nicht allzu lange in der Gegend und musste nun erschrocken feststellen, dass sich in seinem unmittelbaren Wohnumfeld ein Sportplatz befindet.

Ein Sportplatz!

Auf dem nicht nur Fußball gespielt wird, sondern sich dortselbst auch Anhänger der wettkämpfenden Mannschaften einfinden, die ihre Favoriten lautstark anfeuern! So, wie es auf einem Fußballplatz üblich ist: Mit, Gesängen, Pauken und Trompeten. Das heißt: Trompeten waren nicht dabei und statt der Pauken dienten zwei Trommeln als Anfeuerungsinstrumente.

Seine Erschütterung ob der neu gewonnenen Erkenntnis war ihm anzumerken.

In fast schon melancholischem Tonfall versuchte er erst den Eintrittkassierer, dann den Veranstalter und schließlich den Autor dieser Zeilen von der sofortigen Einstellung der Geräusche zu überzeugen. Wie hinterher zu erfahren war, liefen die Gespräche in fast identischer Form ab. Deshalb sei das mir zuteil gewordene hier wiedergegeben.
 
NN: Der Lärm…

ODK Ähm, das hier ist ’n Sportplatz…

NN: Aber das geht doch nicht. Ich wohne gleich nebenan.

ODK: …ein Fußballplatz sozusagen.

NN: Der Lärm dringt bis zu uns in die Wohnung.

ODK: Als Sie Ihre Wohnung bezogen hatten, wussten Sie aber, dass das hier ein Sportplatz ist?

NN:

ODK: Tja…

NN: Das hier ist ein Wohngebiet.

ODK: In dem sich ein Sportplatz befindet, ja. Und auf dem die Mannschaften, die hier spielen, von ihren Anhängern lautstark angefeuert werden. Dass soll, hab ich mir sagen lassen, auf allen Fußballplätzen der Welt so üblich sein.

NN: Aber doch nicht so laut.

ODK Hä?

NN: Das ist hier doch kein Stadion.

ODK: Nö. ’n Fußballplatz.

NN: Vuvuzelas sind nicht umsonst verboten worden.

ODK Hier hat keiner eine Vuvuzela.

NN: Aber Trommeln.

ODK: Trommeln sind nicht verboten.

NN: Ich habe meine Wohnung hier gleich nebenan.

ODK: Ja.

NN: Das hatte schon einen Grund, dass Vuvuzelas verboten wurden.

ODK: Trommeln sind… äh… Moment… nein, doch nicht… – Trommeln sind wirklich keine Vuvuzelas. Die sehen irgendwie auch ganz anders aus.
 

Das Gespräch begann, sich im Kreise zu drehen. Zudem war am Siegesgesang der acht Karower Ultras zu erkennen, dass sich ihre Mannschaft gerade wieder ein Tor eingefangen hatte. Und auf dem Chip meiner Kamera befand sich noch nicht ein einziges Foto… .
Also ein kurzer, freundlicher Abschiedgruß, und der Mann strebte mit leicht gesenktem Haupt dem Ausgang zu.

Vielleicht dachte er ja schon darüber nach, ob sich ein Verwaltungsrichter findet, der gewillt ist, die Realität an seine Vorstellungen vom Wohnen in Prenzlauer Berg anzupassen.

 

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6 Kommentare zu “Bengalos, Trommeln – und ein Prenzlauer Berger Problem”

  1. Das Problem ist nicht das es solche Neuberliner gibt, sondern das sich Berlin bzw.der Bezirk von solchen Leuten diktieren lässt!

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  2. suffi

    Aug 04. 2014

    Hoffentlich ist dieser Zuzügler kein Anwalt oder kennt einen solchen, sonst wird es schweirig für die Nutzer auf dem Teschsportplatz. Es gibt nämlich in Berliner Bezirken genügend Sportanlagen mit Nutzungseinschränkungen wegen Nachbarn.

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  3. Mein Reden!

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  4. Prenzlberger

    Aug 05. 2014

    Wollen wir es hoffen, dass der Tesch bald dicht gemacht wird… ich wäre definitiv dafür, ist ja auch viel zu laut dort *achtung KEINE Ironie*

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  5. Der soll auf sein Dorf zurück!

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  6. Prenzlberger

    Aug 05. 2014

    Sagt der Bauer

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